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Flussregenpfeifer – Steckbrief, Aussehen & Wissenswertes

Flussregenpfeifer strahlen auf mich – wie eigentlich alle Limikolenarten – eine besondere Faszination aus. Dabei wird es immer schwieriger diese Vogelarten zu beobachten. Denn der Bestand des Flussregenpfeifers ist vor allem seit  den 60er und 70er Jahren durch die Begradigung, Regulierung und Bebauung von Flüssen stark zurückgegangen. Und auch heute macht ihn der ständige Lebensraumverlust durch die Versiegelung von Flächen (Bebauung, Industriegebiete etc.) zu schaffen – trotz seiner Anpassungsfähigkeit.

Steckbrief

  • Körperlänge ca. 15 cm
  • Gewicht 30-50 Gramm
  • Gefieder / Färbung
    • Oberseite erdbraun, Unterseite weiß
    • Am Kopf schwarzes Stirnband
    • Schwarzes Band vom Schnabel durch das Auge
    • Zitronengelber Augenring
    • Stirn weiß
    • Schmales, schwarzes Kehlband
    • Im Ruhekleid ohne schwarze Gesichtszeichnung, Kopf braun
  • Verbreitung: Brutvogel in Europa, Asien und Nordafrika
  • Langstreckenzieher mit Winterquartier in Afrika südlich der Sahara (Ende März bis Oktober)
  • Vorkommen am Süßwasser (am Meer kaum anzutreffen)
  • Brut
    • Bodenbrüter, Nest flache Mulde in Stein und Sand
    • Legezeit April/Juni
    • Gelege mit 4 Eier, sehr gut getarnt
    • 22-28 Tage Brut, Männchen und Weibchen wechseln sich ab
    • Jungtiere sind Nestflüchter und nach etwa 3-4 Wochen flügge
  • Nahrung: Kleintiere von Bodenoberfläche, vor allem Insekten

Wissenswertes

Der Flussregenpfeifer trägt den lateinischen Namen Charadrius Dubius und gehört zur Familie der Regenpfeifer. Er war Vogel des Jahres 1993 und ist ein Zugvogel, der im Winter im tropischen Afrika lebt und in der warmen Jahreszeit beinahe überall in Europa vorzufinden ist. Nicht heimisch ist er nur in Irland, Teilen von Nordeuropa sowie in Island.

Typischerweise befindet sich der Lebensraum des Flussregenpfeifers sich an flachen, steinigen Ufern von unverbautem, langsam fließendem Wasser. Diese Vögel findet man nicht auf Bäumen, sie leben zwischen den Steinen am Boden, immer in der Nähe des Wassers.

Dort legen sie ihre Eier am liebsten auf Kiesbänke oder auf unbewachsenen Kiesinseln. Es werden Nistmulden gemacht, in die die Eier gelegt werden. Aber auch Schlamm- und Sandflächen werden gerne angenommen.

Allerdings werden diese Lebensräume immer knapper. Besonders in den 60er und 70er Jahren wurden Flüsse für die Schifffahrt begradigt oder Felder im Zuge der Flurbereinigungen trocken gelegt. Auch heute noch verliert der Flussregenpfeifer ständig wertvolle Lebensräume. Brachflächen werden versiegelt, Flüsse bebaut und die landwirschaftliche Nutzung intensiviert. Wer weiß heute noch, wo er eine Kiesbank findet?

Nun ist der Flussregenpfeifer relativ anpassungsfähig und nimmt auch von Menschen geschaffene Lebensräume wie Baggerseen oder Kiesgruben an. Allerdings sind dies nur Ausweichmöglichkeiten.

Häufig konnte ich die Tiere auch schon an besonders feuchten Stellen in Feldern brüten sehen, die der Landwirt trotz aller Bemühungen nicht trockenlegen konnte.

Meist legt das Weibchen vier Eier, die kaum auffallen. Sie wirken durch ihre Farbe und Zeichnung wie Steine. Durch die steingraue Farbe und die dunklen kleinen Flecken sind sie kaum von den Steinen rundum zu unterscheiden. Selbst auf einem Feld muss man schon sehr genau und bewusst hinschauen, um sie zu entdecken. Das macht sie natürlich anfällig für Zerstörung durch unbeabsichtigtes zertreten.

Aussehen des Flussregenpfeifers

Sie haben eine Körperlänge von etwa 15 Zentimeter und ihr Gewicht liegt zwischen dreißig und fünfzig Gramm. Der Kopf und der Rücken des kleinen, zarten Vogels sind hellbraun, sandfarbig, die Körperunterseite ist weiß.

Flussregenpfeifer AussehenEin schwarzer Ring um den Hals sowie eine schwarz-weiße Gesichtsmaske sind charakteristisch. Unverwechselbar wird der Flussregenpfeifer durch einen gelben Ring um die Augen. Der Schnabel ist dunkel.

Verwechseln kann man ihn am ehesten mit einem Sandregenpfeifer oder Seeregenpfeifer.

Interessant und außergewöhnlich ist seine Art der Fortbewegung am Boden. Er läuft mit trippelnden, schnellen Schritten, was wie ein Rollen auf Rädern wirkt.

Wenn er auf Beutesuche ist, stoppt er jäh ab, bleibt ganz plötzlich regungslos stehen. Seine Nahrung sind hauptsächlich Insekten, Würmer und Spinnen, die er am Boden findet, oder deren Larven, die dicht unter der Oberfläche leben.

Der Ruf des Flussregenpfeifers


Es klingt wie ti-u oder pi-u und wird auf der ersten Silbe betont, traurig und flötend. Wenn er sich aufregt, ändert sich sein Ruf zu einem lauteren, schnelleren tiük oder zu einem ti-ti-ti-tiu.

Brut und Balz des Flussregenpfeifers

Wenn die Tiere in der Zeit zwischen Ende März bis Anfang April an ihren Brutplätzen eintreffen, beginnt die Balz. Das Männchen umkreist mit dem Ruf „griägriägriä“ sein Revier und dreht mehrere Nestmulden in den Kies. Das umworbene Weibchen sucht eine davon aus und legt zwischen April und Mai vier Eier. Die Eier sind ziemlich groß und durch ihre Färbung sehr gut getarnt. Sie werden ohne Polsterungsmaterial direkt auf den Kiesuntergrund gelegt.

Flussregenpfeifer Paarung

Wenn die Vögel während der Brutzeit gestört werden, kann es passieren, dass sie das Nest verlassen. Da die Nester am Boden gut getarnt und nicht leicht sichtbar sind, kommt es auch immer wieder vor, dass die Eier zertreten werden, wenn Badende, Spaziergänger, Bootsfahrer oder Menschen, die am Flussufer grillen wollen, die Eier übersehen.

Auch freilaufende Hunde stellen eine Gefahr für die Nester dar. Die brütenden Vögel verlassen das Gelege. Die Eier können dadurch auskühlen oder überhitzen, Jungvögel können sterben. Die Nester können auch weggeschwemmt oder ausgeraubt werden.

Manchmal brüten Flussregenpfeifer dann ein zweites Mal. Auch wenn in einem Jahr schon sehr früh Junge zur Welt gekommen sind, kommt es manchmal zu einer Zweitbrut. In diesem Fall brütet das Weibchen alleine und das Männchen kümmert sich um die Jungen aus der ersten Brut.

Die Brutzeit dauert 22 bis 28 Tage. Gebrütet wird abwechselnd von beiden Vogeleltern. Wenn eine Ablösung beim Brüten gewünscht wird, dann erhebt sich der gerade brütende Vogel, spreizt die Flügel ab und fächert den Schwanz auf. Der Partner schlüpft dann darunter, um weiter zu brüten und den anderen abzulösen.

Aufzucht der Jungvögel

Da die jungen Vögel Nestflüchter sind, werden sie vom ersten Tag an von den Eltern angeleitet und geführt, wenn sie selbstständig Nahrung suchen und diese aufnehmen. Die Vogeleltern bewachen ihre Jungen und schützen sie vor Regen, Kälte oder zu großer Hitze, indem sie die Kleinen hudern. Das heißt, sie nehmen sie unter ihre Fittiche, sie bergen sie unter ihren Flügeln.

Falls sich den Jungvögeln Feinde nähern, werden sie von den Eltern durch das Vortäuschen von verletzten Flügeln von den Jungen weggelockt. Nach drei bis vier Wochen können die jungen Flussregenpfeifer fliegen und verlassen bald den Ort ihrer Geburt.

Sind Flussregenpfeifer gefährdet?

Durch wasserbauliche Veränderungen wurden und werden Brutplätze vernichtet. Die Vögel verlieren ihren ursprünglichen Lebensraum. Wenn durch Bautätigkeit neue Brutplätze in Kiesgruben entstehen, sind diese auch meist nicht von Dauer.

Der Vogel braucht vegetationsfreie Kiesflächen um seine Nester anzulegen. Die Kiesstrände an den Flüssen werden zu Erholungsflächen, Menschen verbringen gerne ihre Freizeit dort und vertreiben dabei die Flussregenpfeifer meist unbemerkt und unbewusst aus den Brutgebieten.

Diese Vogelart scheint trotz der geschaffenen Ersatzlebensräume in Bedrängnis zu kommen. Durch eine Renaturierung von natürlichen Fließgewässern kann dieser Vogelart zielführend geholfen werden.

Hinweisschilder auf Vogelschutzbereiche und ein Betretungsverbot muss während der Brutzeit und der Zeit der Aufzucht der Jungvögel unbedingt beachtet werden.

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