Greifvögel bestimmen – Schnell und sicher

Greifvögel zu bestimmen kann ganz schön schwierig sein. Manchmal taucht der Vogel sehr schnell auf und ist ebenso schnell wieder verschwunden. Da ist es gut zu wissen, auf welche Merkmale man achten muss, um einen Greifvogel sicher bestimmen zu können.

Greifvogelarten

Für eine sichere Greifvogelbestimmung hilft es natürlich, zumindest einen groben Überblick über unsere Greifvogelarten zu haben. Wir haben daher zuerst kleine Gruppen für einen besseren Überblick bei der Greifvogelbestimmung erstellt.

Die Gruppen im Überblick:

  • Bussarde (Mäusebussard, Wespenbussard, …)
  • Milane (Rot- und Schwarzmilan)
  • Adler (Seeadler, Fischadler, …)
  • Falken (Turmfalke, Baumfalke, …)
  • Habichtartige (Habicht, Sperber)
  • Weihen (Rohrweihe, Wiesenweihe…)
  • Eulen (Steinkauz, Uhu, …)

Wer sich hier bereits auskennt, kann die folgenden Abschnitte natürlich gerne überspringen und direkt zum Punkt Bestimmungsmerkmale wechseln.

Bussarde

Der Mäusebussard ist der häufigste Greifvogel Deutschlands. Auch wenn er bei uns am häufigsten anzutreffen ist, lohnt es sich immer genau hinzuschauen. Denn im Flug ist er nur schwer vom deutlich selteneren Wespenbussard zu unterscheiden, auch der Raufußbussard ähnelt dem Mäusebussard sehr.

Milane

Aus der Greifvogelgattung der Milane (Milvus) trifft man bei uns in Europa auf Schwarz- und Rotmilan. Meist erkennbar an ihrer Schwanzgabelung, die je nach Flugbild aber auch einmal verschwinden kann, so wie hier auf diesem Foto des Rotmilans.

Adler

Seeadler, Schlangenadler, Steinadler, Fischadler, Schreiadler. Alles Adler, könnte man meinen. Aber lediglich Schrei- und Steinadler gehören zur Gattung der Echten Adler (Aquila). Den Rest zählt man zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae) aus der Ordnung der Greifvögel (Accipitriformes).

Falken

Turmfalke Papagei

Turmfalke in einer Palme – sieht doch fast schon aus wie ein Papagei

Eigentlich dürften die Falken hier gar nicht auftauchen. Denn Falken sind gar keine Greifvögel: Sie gehören zu den Papageienvögeln.

Basierend auf DNA-Analysen wurde herausgefunden, dass die Familie der Falkenartigen (Falconidae) näher mit den Papageien (Psittaciformes) verwandt sind als mit den Greifvögeln (Accipitriformes).

Da wir sie ohne DNA-Analysen aber traditionell immer zu den Greifvögeln gezählt haben, wollen wir mal mit der Tradition nicht brechen.

Als häufigste Falkenart trifft man bei uns den Turmfalken an. Rotfußfalke, Baumfalke und Wanderfalke haben es deutlich schwerer bei uns. Der Merlin ist auch ein Falke, sogar der kleinste europäische Falke. Das Männchen ist kaum größer als eine Misteldrossel.

Sperber und Habicht

Sperber und Habicht gehören beide zu der der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Da sie in ihrem Flugbild nur schwer zu unterscheiden sind, haben wir die beiden hier gruppiert aufgeführt.

sperber

Weihen

Auch die Gattung der Weihen (Circus) gehören zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Hier finden wir die drei Arten Rohrweihe, Kornweihe und Wiesenweihe.

Rohrweihe im Flug

Eulen

Auch Eulen gehören natürlich zu den Greifvögeln. Diese zeigen sich aber meist nur in der Nacht und sind daher selten zu sehen. In Deutschland brüten gleich 10 von 13 in Europa vorkommenden Eulenarten. Die häufigste Eulenart in Deutschland ist dabei der Waldkauz, gefolgt von der Waldohreule. Am seltensten ist der sehr kleine Sperlingskauz.uhu

Die größte Eule bei uns ist der imposante Uhu. Schleiereule, Steinkauz, Raufußkauz, Habichtskauz, Sumpfohreule und Zwergohreule sind ebenso in Deutschland anzutreffen.

Bestimmungsmerkmale

Farbe

Bei den Milanen erkennt man den Schwarzmilan an seiner dunkelbraunen Oberseite, die Unterseite ist etwas heller. Sein Kopf ist gräulich und etwas heller als der Körper.

Auch der Rotmilan hat einen deutlich hellgrauen Kopf. Allerdings ist seine Färbung deutlich kontrastreicher im Vergleich zum Schwarzmilan. Die Unterseite ist dabei rostrot gefärbt, auch weiße Fläche und schwarze Flügelspitzen lassen sich ausmachen.

Wespen– und Mäusebussard sind in ihrer Färbung sehr variabel und daher im Flug oft schwer zu unterscheiden. Während die Oberseite im allgemeinen eher bräunlich ist, erscheint die Unterseite heller und gefleckt, aber durchaus auch dunkel.

Der Raufußbussard hat einen sehr hellen, fast weißlichen Kopf. Auch der Schwanz ist an der Basis weiß bis hell und hat davon abgesetzt eine sehr breite, dunkle Binde. Die Flügelunterseiten und der Körper im allgemeinen sind heller als beim Mäusebussard. Oft hat er ein breites, braunes Band über der Brust. Ist somit also insgesamt kontrastreicher gefärbt als der Mäusebussard.

Fischadler verfügen über einen weißen Unterkörper. Die Unterflügel sind ebenso weiß und durch das Auge zieht sich ein schmaler, schwarzer Streifen bis auf die Halsseiten, an denen er sich verbreitert

fischadler

Ein Steinadler ist einfarbig dunkelbraun, während Oberkopf und Nacken goldbraun gefärbt sind.

Der adulte Seeadler fällt vor allem durch seinen mächtigen, gelben Schnabel und dem weißen Schwanz auf.

Beim Schlangenadler ist die Unterseite weiß, mit hellen, braunen Querbinden oder Fleckenreihen über die Unterflügel. Die Flügelspitzen sind meist schwärzlich.

Die Rohrweihe ist mehrfarbig: Der Schwanz zeigt sich hellgrau, während Rücken und teile der Oberflügel braun gefärbt sind. Die Flügelspitzen sind bei der Rohrweihe schwarz und der übrige Flügel hellgrau, was sich besonders im Flugbild gut erkennen lässt. Auch der helle Kopf und die hell-rotbraune Unterseite des Körpers und der sich anschließenden Flügelärbung sind zu erkennen.

Rohrweihe Weibchen

Kornweihe und Wiesenweihe sind leicht voneinander zu unterscheiden – solange man die Männchen vor sich hat. Bei den Weibchen ist es nur geübten Beobachtern möglich die Arten sicher zu bestimmen.

Das Männchen der Kornweihe ist sehr hell. Während die Oberseite auffällig hell und bläulich-grau ist, sind auch Kopf und Vorderkörper hellgrau. Die sonstige Unterseite ist weiß. Nur die Flügelspitzen sind schwarz.

Das Männchen Wiesenweihe hat oberseits ein dunkleres grau als die Kornweihe, der Vorderkörper ist grau. Die weiße Körperunterseite ist bei der Wiesenweihe rostbraun gestrichelt und quer über den Flügel läuft eine recht deutlich erkennbare schwarze Binde.

Beim Habicht ist die Oberseite schiefergrau bis graubraun gefärbt, die Kopfplatte ist dunkel. Auffällig ist der weiße Überaugenstreif. Die Unterseite ist weiß und fein schwarz quer gebändert.

Der Sperber verfügt ebenfalls über eine quergebänderte, weiße Unterseite. Allerdings ist diese bei den Männchen rötlich. Bei den Weibchen wiederum dunkelbraun. Bei den Männchen ist die Oberseite blaugrau, bei den Weibchen mehr graubraun gefärbt.

Der Turmfalke hat eine rotbraune, gefleckte Oberseite. Beim Männchen sind Kopfplatte, Nacken und Schwanz grau. Die gefleckte Oberseite ist eher schwach gefleckt. Beim Weibchen sowie den juvenilen Tieren sind die Oberseite stark dunkel gefleckt und quergebändert.

Beim Merlin kann man eine schiefergraue Oberseite sowie einen roströtlichen Nacken ausmachen. Die Unterseite ist rostbraun gefärbt und verfügt über eine dunkle Längsfleckung. Der graue Schwanz verfügt über eine breite, schwarze Endbinde.

Rotfußfalken sind in ihrer Färbung sehr unterschiedlich. Von dunkel schiefergrau mit schwarzem Schwanz, roten „Hosen“ bis zu braunem Nackenband und heller Unterseite oder weißlichem Gesicht treten hier je nach Geschlecht und Alter viele verschiedene Färbungen auf.

Ein Baumfalke verfügt über eine dunkle Oberseite und lässt am Kopf einen kräftigen, dunklen Bartstreif erkennen. Dieser setzt sich meist scharf von der weißen Wange und der hellen Kehle ab. Die Unterseite ist hell, mit kräftigen schwarzen Längsstrichen besetzt.

Der Wanderfalke ist wie ein Baumfalke an der Oberseite dunkelblaugrau. Die Unterseite ist weißlich und schwarz quergebändert oder verfügt am Vorderkörper über Tropfenflecken. Auffällig auch der breite, schwarze Backenstreif, der von Kehle und Wangen abgesetzt ist.

Flugbild

Im Flugbild fällt bei den Milanen vor allem der gegabelte Schwanz auf. Beim Rotmilan ist diese Gabelung deutlich ausgeprägter als beim Schwarzmilan. Die Schwanzgabelung verschwindet aber bei starker Spreizung der Steuerfedern ganz oder ist nur noch schwach zu erkennen. Die Schwanzform kann dann sogar schon rechteckig erscheinen. Bei folgendem Bild ist die Spreizung schon recht weit. An der rötlichen Färbung ist der Rotmilan dennoch gut auszumachen.

Rotmilan im Flug

Der Mäusebussard besticht im Flugbild mit seinen breiten Flügeln und einem relativ kurzen, gerundeten Schwanz und dem eingezogenem Kopf. Im Segelflug sind die Flügel häufig etwas V-förmig angehoben und die Flügelspitzen aufwärts gebogen.

Der wichtigste Unterschied im Flugbild zum Mäusebussard ist beim Wespenbussard der längere und schmälere Schwanz. Auch der Kopf, der etwas schlanker und stärker hervorstehend wirkt, ist ein Merkmal.

Die wichtigsten Merkmale im Flug beim Raufußbussard sind der helle und fast weißliche Kopf. Auch sonst lässt er sich manchmal vom Mäusebussard nur schwer unterscheiden.

Beim Seeadler fallen die breiten, brettförmigen Flügel auf. Auch der kurze und keilförmige Schwanz.

Der Schlangenadler hat einen breiten, vorragenden Kopf im Flug. Auch de Flügel sind recht lang, doch der Ansatz am Körper relativ schmal. Im Segelflug sind die Flügel mehr oder minder flach (nicht V-förmig angehoben wie beim Bussard).  Auch die stark gefächerten Flügelspitzen fallen auf.

Der Steinadler ist zwar viel größer als ein Mäusebussard, wirkt im Flugbild aber etwas schlanker. So sind die Flügel relativ schmaler und länger und breit gefächert. Der Schwanz ist etwa mittellang. Auch der Kopf ist stärker vorgebaut.

Lange, schmale Flügel, die oft angewinkelt werden lassen sich beim Flugbild es Fischadlers ausmachen.

Die Rohrweihe ist im Vergleich zum Bussard schlanker und schmalflügeliger. Beim Segeln und Gleiten werden die Flügel V-förmig nach oben gehalten. Das machen übrigens alle Weihen so.

Auch Kornweihe und Wiesenweihe sind so im Flugbild gut auszumachen. Wobei die Wiesenweihe nochmals schlanker als die Kornweihe ist und vor allem schmalere Flügel hat.

Der Habicht lässt sich von Bussarden durch einen langen Schwanz und kurze, breite Flügel unterscheiden. Im Flugbild ist er manchmal schwer vom Sperber zu unterscheiden, allerdings ist der Hinterrand des Flügels stärker geschwungen, der Schwanz breiter und an den Ecken meist deutlich gerundet. Auch der gesamte Körperbau ist kräftiger. Zudem schiebt der Habicht im Flug oft längere Gleitphasen ein.

Beim Sperber lässt sich zudem ein schnellerer Flügelschlag im Vergleich zum Habicht feststellen.

Der Turmfalke hat wie der Sperber einen langen Schwanz, jedoch längere und nicht so stark gerundete Flügel. Typisch ist auch das sog. Rütteln, bei dem der Turmfalke für längere Zeit kolibriähnlich an einer Position schwebt, um Jagd auf Beute zu machen.Turmfalke Flug

Der Baumfalke ist etwa so groß wie der Turmfalke, hat jedoch sehr lange, sichelförmige Flügel und einen kürzeren Schwanz.

Etwas kleiner als Turm- oder Baumfalke ist der Rotfußfalke. Auch der Schwanz ist kürzer als beim Turmfalke jedoch ähneln die langen sowie spitzen Flügeln denen des Baumfalken.

Ebenfalls kleiner als der Turmfalke ist der Merlin. Auch relativ breitflügelig und gedrungen kommt sein Flugbild daher.

Größer als eine Taube ist unser größter einheimische Falke: Der Wanderfalke. Im Flug zeigt sich seine gedrungene Gestalt und die langen, spitzen Flügel. Der Schwanz ist relativ kurz und meist spitz zulaufend.

Bestimmungshilfe für Greifvögel

Du hast einen Greifvogel beobachtet und bist dir immer noch unsicher welcher es war? Unter www.spotwild.org kannst du deine Beobachtung melden und dort die Community um Bestimmungshilfe fragen.

2 Kommentare
  • Herr Fard
    Posted at 15:36h, 15 August Antworten

    Bitte Rechtschreibung überprüfen und Bildunterschriften hinzufügen.
    Sonst super beschrieben!

    • Bernd Kleinschrod
      Posted at 11:11h, 16 August

      Dankeschön, ich werde mich darum kümmern 🙂

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