HIstogram

Histogramm verstehen

Das Histogram zu verstehen erscheint auf den ersten Blick schwierig. Ist es aber nicht! Und mit der richtigen Anwendung wirst du künftig nie wieder mit unter- oder überbelichteten Fotos nach Hause kommen.

Schnellanleitung: Histogram verstehen & anwenden

  • Der linke Rand entspricht den dunklen Bereichen: Stößt der „Berg“ an den linken Rand, ist das Bild unterbelichtet.
  • Der rechte Rand entspricht den hellen Bereichen: Stößt der „Berg“ an den rechten Rand, ist das Bild überbelichtet.
  • Stößt der Berg weder an den linken noch an den rechten Rand, ist das Bild korrekt belichtet.
Histogram lesen

Als Faustregel lässt sich sagen: Auf dem Bild muss ein schönes Gebirge zu sehen sein. Wenn das Gebirge rechts abgeschnitten ist, ist das Foto zu hell. Falls es links abgeschnitten ist, wird das Bild zu dunkel sein. Nur wenn die schwarzen Kurven zu beiden Seiten auslaufen können, hat das Bild eine gute Belichtung.

Nicht dem Display vertrauen!

Früher habe ich den Fehler auch gemacht: Foto geschossen, auf dem Display kontrolliert und für gut befunden. Zu Hause am PC kam dann manchmal die Ernüchterung: Das Bild war viel zu dunkel oder an mancher Stelle völlig ausgebrannt (d.h. die hellen Bildbereiche waren komplett weiß). Seitdem habe ich es mir angewöhnt, immer gleich beim Fotografieren das Histogramm zu prüfen.

Vor allem an hellen Sonnentagen oder in besonders dunklen Situationen ist es oft schwer, die richtige Belichtung nur am Display des Kamera zu erkennen. Ist in Wolken noch eine Struktur zu erkennen oder ist ein Wald schon völlig schwarz? Das menschliche Auge kann sich bei der Helligkeitsdarstellung der Digitalkamera schnell täuschen. Außerdem stellen Bildschirme die Farben als RGB-Farben dar. Das ganze Foto wird, für den Laien ausgedrückt, als Licht dargestellt. Alle Farben überlappt, bilden weiß. Das Bild leuchtet quasi. Schon durch das Umstellen der Bildschirmhelligkeit an der Kamera wird das ganze Bild verändert. Jeder Bildschirm stellt ein Foto unterschiedlich dar.

In diesem Wirrwarr ist es schwierig, den Überblick zu bewahren und die Dynamik des Bildes richtig einzuschätzen. Dann ist ein Histogramm Gold wert. Bei den meisten Kameras lässt sich das Histogramm direkt in der Bildkontrolle einblenden. Bei manchen Kameras mit Live-View ist es sogar möglich, das Histogramm live noch vor der Aufnahme zu sehen.

Wenn das Histogramm gleich nach dem Fotografieren angezeigt wird, kann die Belichtung gegebenenfalls justiert werden. Dann sollte das Foto mit einer korrigierten Belichtung (siehe auch Belichtungskorrektur in deiner Kamera) nochmals aufgenommen werden, bis es passt. Der Fantasie beim Herumspielen mit verschiedenen Belichtungswerten oder Blendenöffnungen sollten keine Grenzen gesetzt werden. Oft entstehen die interessantesten Aufnahmen durch herumexperimentieren. Irgendwann wird die richtige Belichtung gefunden.

Praxis: Kontrolle mit Lichter und Histogramm

Im Feld kontrolliere ich meine Bilder immer doppelt. Ich lasse mir im ersten Schnellcheck bei der Bildkontrolle die Lichter anzeigen. Sobald mir hier überbelichtete Stellen am Display signalisiert werden, ist die Sache schon eindeutig.

Werden mir allerdings keine Lichter angezeigt, werfe ich zur Sicherheit noch einen zweiten Blick auf das Histogramm. Warum? Ganz einfach: Die Auflösung des kleinen Displays der Kamera stößt schnell an seine Grenzen. Details wie die feinen Härchen der Kuhschellen oder kleinste Wasserreflexionen können ausgebrannt sein, ohne dass es mir die Lichter-Kontrolle der Kamera signalisiert.

Was zeigt das Histogramm an?

Ein Histogramm ist an und für sich erst einmal nur eine Häufigkeitsverteilung, die grafisch dargestellt wird. In der Welt der digitalen Fotografie wird auf der X-Achse des Histogramms (also auf der horizontalen Achse) die Pixel von dunkel nach hell angeordnet. Auf der Y-Achse siehst du die Anzahl (je mehr, desto größer). Das Histogramm beschreibt also die statistische Häufigkeit der Grauwerte im Bild. Die unterschiedlichen Helligkeitsstufen werden mit insgesamt 256 Zahlen benannt. Ein 100 % Schwarz wird hier mit 0 (ganz links) und ein 100 % Weiß mit 255 (ganz rechts) beziffert. Alle anderen Abstufungen der Tonwerte werden dazwischen dargestellt.

Ebenso gibt es einzeln aufgesplittete Histogramme für die jeweiligen Farbwerte Rot, Grün und Blau. Meist sind aber die Histogrammkurven zu einer Graukurve zusammengefasst.

Expose to the right – ETTR

Vielleicht bist du schon ein mal über den Begriff Expose To The Right gestoßen (abgekürzt ETTR). Auf Deutsch bedeutet dies soviel wie „Nach rechts belichten“ und ist mit der Betrachtung des Histogramms in Zusammhang zu bringen.

Es sagt aus, dass die „Bergspitze“ im Histogramm eher in der rechten Hälfte als in der linken Hälfte des Histogramms anzutreffen sein sollte – ohne dass der Berg dabei natürlich den Rand berührt. Das hat folgenden Hintergrund: Es ist leichter ein Bild hinterher am PC abzudunkeln, als dieses aufzuhellen. Beim aufhellen wird auch Bildrauschen verstärkt und sichtbar. Die Bildqualität leidet dabei. Abdunkeln geht dagegen ohne Qualitätsverluste.

Es ist gut, diese Regel immer im Hinterkopf zu haben.

Die Ausnahmen der Regel

Low-Key Kuhschelle
Low-Key-Aufnahme von Kuhschellen

Natürlich gibt es auch hier keine Regel ohne Ausnahmen. Oft wirken auch bewusst „falsch“ belichtete Fotos interessant. Besonders in der künstlerischen Fotografie werden häufig Effekte wie High-Key oder Low-Key eingesetzt. Diese Bilder werden dann bewusst über- oder unterbelichtet. Dabei werden große Flächen des Bildes sehr hell oder sehr dunkel gehalten. So werden höchst interessante Effekte erzielt und dadurch sind natürlich auch die Werte des Histogramms verschoben. Auch bei Nachtaufnahmen, die naturgemäß etwas dunkler gehalten werden sollten, sind die Werte des Histogramms aus der Mitte gerückt.
Weiterhin gilt als Regel: Je weiter die Kurve des Histogramms gefächert ist, ohne abgeschnitten zu sein, desto höher die Dynamik. Das Bild wirkt kontrastreicher und lebendiger.

Aber auch diese Faustregel muss in speziellen Situationen über Bord geworfen werden. Denn beispielsweise durch Nebel wird die Dynamik des Bildes heruntergesetzt. Dann wandert auch de Kurve des Histogramms naturgemäß nach rechts. In der Nachbearbeitung kann das korrigiert und der Kontrast erhöht werden. Natürlich muss man sich aber dann bewusst sein, dass das Nebelfoto seines kontrastarmen Wesens beraubt wird. Ein kontrastarmes Foto kann also durchaus Absicht in der Bildgestaltung sein – man sollte das nur bewusst einsetzen.

Gut zu wissen

In der Nachbearbeitung kann die Belichtung von rein weißen Stellen nicht mehr verändert werden. In diesen Pixeln ist schlichtweg keine Bildinformation mehr vorhanden und du hast keine Möglichkeiten mehr, diese Stellen abzudunkeln. Schwarze Stellen dagegen können noch aufgehellt werden. Dadurch entsteht allerdings wie erwähnt ein Bildrauschen. So und so ist es besser gleich anfangs auf eine optimale Belichtung zu achten. Für viele Kameras gibt es auch eine Überbelichtungswarnung. Damit wird dann angezeigt, wo genau das Foto unter- oder überbelichtet ist. Die jeweiligen Bereiche werden dann rot oder blau oder anderweitig (z.B. durch blinken) dargestellt.

Aber auch hier ist Vorsicht geboten: In dem Low-Key-Beispiel mit den Kuhschellen oben können die feinen Härchen überbelichtet sein, ohne dass es die Lichter-Kontrolle der Kamera anzeigen kann, weil das Display viel zu klein ist. Im Zweifelsfall also lieber auf das Histogramm verlassen.

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