5 Ideen für Makrofotografie im Herbst

Während Frühling und Sommer für Makrofotografen sehr ergiebige Jahreszeiten sind, wird die Suche nach geeigneten Motiven für die Makrofotografie im Herbst schon schwieriger. Sobald das Ende des Sommers kommt, sinkt die Temperatur, die Blätter beginnen zu fallen und die Insekten ziehen sich schnell zurück.

Was machen also Makrofotografen wie du und ich? Drehen wir einfach Däumchen und lassen unser Makro-Objektiv bis zum nächsten Frühjahr staubig werden? Wenn wir das tun, werden wir eine Vielzahl von guten Fotomöglichkeiten verpassen.

Denn in dieser sehr stimmungsvollen Jahreszeit ist der Wald so schön bunt und beherbergt alle Arten von seltsamen und wunderbaren Pilzen und saisonalen Früchten. An kühlen, taufrischen Morgen werden Gräser und Spinnennetze mit winzigen Wassertropfen verziert, während der erste Frost weitere tolle Fotomöglichkeiten erschafft.

Du brauchst trotzdem noch Inspiration? Los geht’s!

#1 Herbstlaub

Herbstlaub im Gegenlicht

Für nur wenige kurze, goldene Wochen im Jahr wird das Laubwerk durch eines der beeindruckendsten Ereignisse der Natur bereichert. Die Pigmente, die den Blättern jetzt im Herbst ihre feurigen saisonalen Farben verleihen, werden den größten Teil des Jahres von Chlorophyll überdeckt. Da dieses grüne Pigment jedoch im Herbst zu zerfallen beginnt, werden die anderen Pigmente (Carotinoide und Anthocyane) offenbart.

Trockenes, sonniges Wetter kombiniert mit kühlen Nächten löst diese intensive, fotogene Palette von Rot, Gelb und Orange aus. Der Höhepunkt der Herbstfärbung kann sich von Jahr zu Jahr leicht ändern, ist aber typischerweise gegen Ende Oktober und Anfang November am besten.

Viele Outdoor-Fotografen ziehen es vor, die wunderprächtigen Herbstfarben in Weitwinkel-Landschaften einzufangen. Dabei sind auch Makrofaufnahmen der bunten Vielfalt enorm fotogen.

Wenn du Blätter fotografierst, die noch an Bäumen hängen, versuche am besten eine Gegenlichtsituation zu schaffen, indem du die Blätter zwischen dich und der Sonne platzierst. Durch das Gegenlicht wird bei den lichtdurchlässigen Blättern Farbe, Form und feinste Details noch einmal hervorgehoben.

Am besten ist es übrigens, wenn du zum fotografieren einen Tag ohne starken Wind erwischt. Sonst wird es schwierig, einen guten Bildausschnitt zu wählen und die Blätter zu arrangieren oder scharfe Aufnahmen zu machen, wenn ständig Bewegung im Laub ist.

#2 Taufrische Spinnennetze

Ein Spinnennetz am Morgen

Ein Morgen im Herbst kann etwas magisches haben. Feuchte, kalte Luft, Nebel und epische Sonnenaufgänge. Gräser, Blätter und Äste sind benetzt mit mit winzigen Wasserperlen, die in der frühen Morgensonne wie Juwelen funkeln.

Und das gute am Herbst ist ja: Du musst nicht um 5 Uhr aufstehen, um den Sonnenaufgang ja nicht zu verpassen: Vor 7 Uhr geht in Deutschland im Oktober nirgends die Sonne auf.

Sehr fotogene Motive an einem taufrischen Morgen sind Spinnennetze. Der Tau macht an solchen Morgen tausende von Netzen in der feuchten Wiese sichtbar.

Mit einer langen Brennweite kannst du bildfüllende Aufnahmen machen, aber auch mit dem Makroobjektiv lohnt es sich loszuziehen.

Wenn du das gesamte Netz scharf aufnehmen möchten, wähle einen parallelen Standort zum Motiv, um dieses maximal innerhalb der Fokusebene zu platzieren.

Einen schönen Tiefeneffekt erhälst du, wenn du dich schräg zum Netz positionierst und eine offene Blende im Bereich von f/1,8 oder f/4 wählst. Dadurch verschwinden einige Bereiche in der Unschärfe.

Der Aufnahmewinkel kann den Unterschied machen

Die Wahl des Hintergrundes ist wichtig. Eine chaotische, ablenkende Kulisse kann die Aufnahme negativ beeinflussen. Für einen zusätzlichen Effekt suche nach Netzen, die du vor einem farbenfrohen Hintergrund fotografieren kannst- zum Beispiel Wasser, Himmel oder ein Teppich aus blühendem Heidekraut. Die Tiefenschärfe ist bei Aufnahmen mit höheren Vergrößerungen immer begrenzt, daher musst du präzise fokussieren, um die relevanten Bereiche scharf abzubilden.

Und während die Netze alleine schon schöne Motive sind, solltest du deren Macher nicht übersehen – der Herbst ist auch eine großartige Jahreszeit, um Spinnen zu fotografieren. Achten Sie auf kleine Schönheiten wie Gartenkreuzspinnen oder Wespenspinnen.

Die besten Bedingungen sind übrigens kurz nach Sonnenaufgang, bevor der Tau bei Sonnenschein am Morgen zu verdunsten beginnt.

#3 Fungi

Pilze fotografieren – wohl das Highlight im Herbst für Makrofotografen

Das wohl offensichtlichste Herbstmotive für Makrofotografen sind Pilze. Sobald die sommerliche Wärme auf die kühle, feuchte Herbstluft trifft, beginnen die Pilze aus dem Boden zu schießen (wie Pilze eben… ;-)). Vorausgesetzt natürlich es hat genügend geregnet und der Waldboden ist nicht zu trocken. Dann wachsen seltsame und wunderbare Pilze verschiedener Formen, Größen und Gestalten inmitten von Blättern, auf Baumstümpfen oder heruntergefallenen Ästen.

Suche daher zu dieser Jahreszeit regelmäßig die Wälder vor deiner Haustür mit deiner Makroausrüstung auf. Da Pilze in niedrigen, ungünstigen Positionen wachsen, müssen wir als Naturfotografen auch meistens in Bodennähe arbeiten. Ich nehme daher eine gebrauchte Isomatte aus Beständen der Bundeswehr mit. Diese lässt sich wunderbar zusammenfalten.

Niedrige Blickwinkel führen oft zu den besten Ergebnissen hinsichtlich Bildgestaltung. Daher eignet sich eine DSLR oder DSLM mit einem klappbarem Display, so dass du Bilder bequem aus einer tiefen Perspektive fotografieren kannst. Alternativ geht auch ein Winkelsucher.

Ich bevorzuge oft eine sehr tiefe, bodennahe Perspektive beim Fotografieren von Pilzen, da dies dazu führt, dass die wahrgenommene Größe der Pilze übertrieben wird und sie so imposanter wirken.

Ein kleiner Pilz von unten fotografiert wirkt gleich viel größer.

In den Wäldern ist es oft dunkel, da noch viel Laub an den Bäumen hängen kann – das schluckt natürlich Licht. Ich arbeite daher oft entweder mit einem kleinen Reflektor oder einer künstlichen Lichtquelle (Blitz, Taschenlampe), um die Lichtsituation vor Ort zu verbessern.  Durch solche zusätzlichen Lichtquellen kann man wunderbar die Textur der Lamellen herausarbeiten.

Ein Makroobjektiv im Bereich um 100 mm ist ideal für Pilze. Eine kürzere Brennweite bietet sich dann an, wenn du die Pilze im Zusammenhang mit ihrem Lebensraum aufnehmen möchtest.

#4 Herbstfrüchte

Vergiss nicht die Früchte im Herbst! Zu dieser Jahreszeit gibt es keinen Mangel an fotogenen Nüssen und Beeren: Kastanien, Eicheln, Tannenzapfen und andere Früchte gibt es im Überfluss.

Scanne den Waldboden nach geeigneten Motiven und suche nach „gefundenen Stillleben“. Was genau das ist? Nun, ein gefundenes Stillleben wird nicht im Studio arrangiert, sondern in der vorgefundenen Konstellation, ggf. mit einem Minimum an Veränderungen, aufgenommen.

Diese Kastanie wurde in der Umgebung aufgesammelt und mit einer Hülse arrangiert.

#5 Frost

Frost überzuckert den Waldboden

Wenn es im Herbst kälter wird, lohnt es sich die lokale Wettervorhersage für ein Absinken der Temperaturen unter Null Grad im Auge zu behalten.

Ein starker Bodenfrost kann die Landschaft verändern und bietet tolle Fotomöglichkeiten für Makrofotografen. Ein Hauch von Frost hat die Fähigkeit, verrottende Blätter und Vegetation wieder schön zu machen.

Äste, Knospen, Spinnweben uvm. werden mit winzigen Eispartikeln verziert – schöne Miniaturdetails, die nur aus nächster Nähe zu sehen sind. Es lohnt sich, an solchen Morgenden mit offenen Augen durch den Wald zu streifen.

Auch hier lohnt sich ein früher Start zur Fototour, bevor der Frost auftaut und während das Licht noch weich und warm ist.

Bonustipps

Als Makrofotograf musst du deine Ausrüstung im Herbst nicht in den Winterschlaf schicken. Der Herbst bietet viele Highlights, die man sehen und fotografieren kann. Abschließend noch ein paar Tipps, die du im Herbst beherzigen solltest:

  • Festes Schuhwerk! Nasses Laub oder erster Frost sorgen für Rutschgefahr. Wenn du mit der Kamera umherpirscht, passe auf, dass du nicht ausrutscht
  • Ungemütlich draußen? Fieses Schmuddelwetter? Regen und wenig Licht? Eigentlich Zeit für die Couch? Falsch – denn der wichtigste Tipp ist: Raus jetzt!

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