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Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Meisen – Deutschlands Meisenarten mit Videos & Fotos als Bestimmungshilfe

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Meisen in Deutschland gehören zu unseren täglichen Begleitern. Sie sind nicht nur zu jeder Jahreszeit, sondern auch an nahezu jedem Ort anzutreffen. Egal ob Wald, Küste, Gewässer, Gebirge oder gar in der Stadt – fast überall lassen sich Vertreter unserer vielen Meisenarten in Deutschland antreffen.

Und das Gute dabei: Es sind gar nicht so viele unterschiedliche Arten und sie sind daher schnell erlernt. Trotzdem gibt es ein paar Feinheiten zu beachten. Zwei der bei uns beheimateten Meisenarten ähneln sich z.B. dermaßen, dass selbst so mancher Ornithologe ganz genau hinsehen, oder dann eben hinhören muss, um bei der Bestimmung von Meisen keinen Fehler zu machen.

Kohlmeise

Kohlmeise (Parus major)

Und mit ihrer Körperlänge von bis zu 15 cm ist sie auch die größte europäische Meisenart. Deutlich wird dies, wenn du einmal Kohl- und Blaumeise direkt nebeneinander (z.B. am Futterhaus) beobachten kannst.

Unverkennbar ist vor allem der metallisch klingende Reviergesang der Männchen. Schon früh im Jahr – bei milden und/oder sonnigen Wintertagen gar schon im Dezember – hallt der Gesang durch Ort- oder Landschaften.

Da zu dieser Zeit noch kein Laub an den Bäumen hängt, lassen sich so – am besten bewaffnet mit einem Fernglas oder Teleobjektiv – oftmals einfache und schöne Beobachtungen machen. Dies hilft ungemein dabei, unsere häufigste Meisenart identifizieren zu lernen.

Trotzdem ist es nicht immer leicht die Kohlmeise ausschließlich an der Stimme auszumachen. Durch die variantenreichen Lautäußerungen kann die Kohlmeise manchmal wie Blaumeise oder Buchfink klingen. Daher kommt man manchmal nicht um eine visuelle Bestätigung der Beobachtung umher.

Optisch erkennt man Kohlmeisen wohl am ehesten durch die Farben: Deutlich zu erkennen ist das bestimmende Gelb an Bauch und Hals. Hier beginnt die Verwechslungsgefahr mit der Blaumeise – die ebenfalls über diese Farbgebung verfügt.

Bei der Kohlmeise jedoch findest du einen vertikal verlaufenden schwarzen Streifen auf der Brust. Bei den Männchen übrigens breiter, bei den Weibchen schmaler.

Weiteres Bestimmungsmerkmal der Kohlmeise ist die schwarze Kopfplatte, die sie gut von der Blaumeise unterscheidbar macht.

Die Wangen sind hellweiß. Sie heben sich farblich deutlich vom Blauschwarz bei Kopfplatte sowie bei den Nacken- und Halspartien ab. Die Flügel sind vielfarbig. Andere Partien wie der Bürzel weisen blaugrüne Farbtöne auf.

Die Erscheinungsformen von Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Wesentlichen lediglich durch die etwas geringere Durchschnittsgröße der Weibchen – im Feld ist dies aber kaum zu erkennen. Zudem ist die Farbgebung beim Männchen kräftiger als beim Weibchen.

Die ursprünglichen Lebensräume der Kohlmeise sind übrigens Laubwälder mit altem Baumbestand. Dort ist das Angebot von artentsprechenden Nistmöglichkeiten (Baumhöhlen) ideal. Die Kohlmeise ist aber überaus anpassungsfähig: So hat sie sich hervorragend an unsere Kulturlandschaften angepasst. In Gärten, auf Friedhöfen oder Parkanlagen finden die wenig menschenscheuen Vögel gute Lebensbedingungen.

Auch bei der Ernährung sind die Kohlmeisen breit aufgestellt. Je nach Jahreszeit und regionalem Angebot fressen sie tierische und pflanzliche Nahrung. Dazu zählen Insekten und Larven, Raupen, Würmer und Asseln, Samen, Nüsse und sogar Aas. In Notfällen töten Kohlmeisen gelegentlich auch kleinere Vögel, um sich von ihnen zu ernähren.

Kohlmeisen schließen sich im Winter oft zu mehr oder weniger hierarchisch strikt organisierten Kleinschwärmen zusammen. Daneben besetzen die Männchen von ihnen verteidigte Reviere.

Die in Deutschland in monogamer Saisonehe lebenden Kohlmeisen sind Standvögel. Sie brüten in Baumhöhlen, aber auch in allen möglichen anderen Höhlungen wie Briefkästen, Dachritzen, Nistkästen oder selbst Gießkannen. Dabei verwenden die Vögel erhebliche Energie bei der Polsterung der Nester durch Moos und andere Materialien.

Die übliche Gelegegröße beträgt etwa fünf bis zwölf Eier. Wie auch bei den anderen heimischen Meisenarten herrscht bei den Kohlmeisen bei der Nachwuchsarbeit Aufgabenteilung. Die Weibchen sind für Nestbau und Brüten zuständig. Das Männchen bewacht das Nest. An der Fütterung sind Männchen und Weibchen beteiligt. Wie auch bei anderen Meisenarten zählen zu den natürlichen Feinden der Kohlmeise vor allem Rabenvögel, Sperber und andere Greifvögel, Marder und Katzen.

Blaumeise

Blaumeise (Cyanistes caeruleus)
Blaumeise  (Cyanistes caeruleus)

Unsere zweithäufigste Meise ist die Blaumeise (Parus caeruleus). Aussehen, Nahrungsweise, Lebensraum und Verhalten ähneln denen der Kohlmeise, mit der die Blaumeise gelegentlich auch in winterlichen Mischschwärmen zusammenlebt.

Zu den wesentlichen äußerlichen Unterschieden zur Kohlmeise gehört die Färbung des Gefieders. Was es vielen zu Beginn schwer macht ist der gelbe Brust- und Bauchbereich – denn den haben Kohlmeise auch.

Allerdings fehlt hier der für Kohlmeisen typische schwarzblaue Strich, der bei den Kohlmeisen über die Brust geht. Dennoch kann auch bei der Blaumeise eine Zeichnung auf der Brust erkennbar sein.

Blaumeise
Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Deutlicher wird der Unterschied zur Kohlmeise im Kopfbereich. Die Weißflächen sind im Gesicht bei der Blaumeise größer als bei der Kohlmeise.

Vor allem aber kann man Blau- und Kohlmeise gut an der Kopfplatte unterscheiden: Bei Blaumeisen blau, bei Kohlmeisen schwarz.

Zudem wiederholt sich die hellblaue Färbung – stellenweise mit Grün kombiniert – am Rücken. Die Kohlmeise ist in diesen Bereichen wesentlich dunkler.

Blaumeise Rückseite
Rückseite der Blaumeise

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zur Kohlmeise ist die geringere Körpergröße.  Diese wird allerdings oftmals nur im direkten Vergleich (z.B. am Futterhaus) ersichtlich. Blaumeisen werden selten schwerer als zwölf Gramm und länger als zwölf Zentimeter.

Der durch Endtriller bestimmte Gesang der Blaumeise ist wenig variantenreich und deckt sich in Teilen mit dem der Kohlmeise. Es ist also nicht immer einfach, Blaumeisen rein akustisch zu identifizieren.

Die kleine, tierische Nahrung bevorzugende Blaumeise ist körperlich beweglicher als viele andere Meisen. Dadurch kann sie insbesondere gegenüber Kohlmeisen den Nachteil geringerer Stärke und Größe durch die Fähigkeit, für andere Vögel nicht erreichbare Nahrungsangebote zu nutzen, ausgleichen.

Neben saisonaler Monogamie ist Polygynie bei Blaumeisen nicht selten. Die höhlenbrütenden Blaumeisen haben Gelege von meist sechs bis 14 Eiern.

Haubenmeise

Haubenmeise
Haubenmeise (Lophophanes cristatus)

Deutlich seltener als Blau- und Kohlmeise kann bei uns die Haubenmeise (Parus cristatus) beobachtet werden. Du kannst sie sehr leicht an der abklappbaren Federhaube erkennen – das unübersehbare Alleinstellungsmerkmal, das ihr den Namen gibt.

Das Gesicht ist weiß und weist einen prägnanten schwarzen Halbmond-Strich vom Auge zum Hals auf. Haubenmeisen ernähren sich hauptsächlich von Beeren und Samen sowie von Kerbtieren, die die Vögel in den Baumwipfeln erbeuten.

Haubenmeisen bevorzugen Wälder mit Nadelbäumen, fühlen sich aber auch in Gärten oder Parkanlagen mit Tannen- oder Kieferbestand wohl. Die Kleinvögel haben in ihren Höhlennestern Gelege von durchschnittlich sechs Eiern. Der Bestand der Haubenmeisen wird für Deutschland auf etwa 400.000 Brutpaare geschätzt.

Tannenmeise

Tannenmeise
Tannenmeise (Parus ater)

Bevor ich sie sehe, höre ich sie oftmals erst: Tannenmeisen (Parus ater) machen ihrem Namen alle Ehre und drücken sich oftmals im Nadelgehölz umher – wo sie eher schwer zu sehen sind.

Sieht man sie dann tatsächlich mal, erinnert die Tannenmeise im ersten Moment an eine Kohlmeise – in klein. Und in weniger bunt.

Denn ihr Unterteil ist nicht leuchtend gelb wie bei Kohl- und Blaumeisen, sondern weißlich oder gelblich.

Die kleinste in Deutschland lebende Meisenart wird höchstens zehn Gramm schwer. Der kleine Vogel hält sich gern in Nadel- und Mischwäldern auf, ist aber auch in Gärten zu finden. Neben Insekten bilden Samen von Nadelbäumen den Schwerpunkt bei der Nahrungsaufnahme.

Ein in der Erde oder in Erdnähe in Höhlen bebrütetes Tannenmeisen-Gelege besteht meist aus neun bis elf Eiern. Der Bestand der Tannenmeise ist mit fast zwei Millionen Brutpaaren in Deutschland zurzeit stabil und nicht gefährdet.

Weidenmeise

Ein ganz spezielles Meisenpaar sind die Weidenmeise und Sumpfmeise. Denn sie gelten als Zwillingsarten und sehen sich sehr ähnlich.

Ein beliebter Fehler unter Anfängern: „Ich habe eine Weidenmeise gesehen!“ Daraufhin der begeisterte Hobbyornithologe ganz aufgeregt: „Wo??“

Denn eines muss man wissen: Mit ungefähr 100.000 Brutpaaren ist der Bestand der als klassischer Waldvogel geltenden Weidenmeise (Palus montanus) in Deutschland wesentlich geringer als der der nahezu identisch aussehenden Sumpfmeise. Lokal kann sie sogar nur selten anzutreffen sein.

Wer das nicht weiß – und auch die Rufe der beiden Arten nicht unterscheiden kann – ist schnell dazu verleitet eine Weidenmeise gesehen zu haben – dabei ist es viel wahrscheinlicher, einer Sumpfmeise zu begegnen. Hier ist der Name tatsächlich etwas irrefühernd.

Am einfachsten ist es die Weidenmeise im Feld anhand ihres charakteristischen Rufs „dääh dääh dääh“ zu erkennen, das etwas gequetscht klingt.

Denn optisch sind es nur Details: Die Weidenmeise hat einen größeren Kehlfleck und zudem eine matte Kopfplatte (glänzend bei der Sumpfmeise). Im Feld ist dies allerdings oftmals nur schwer zu unterscheiden.

Sumpfmeise

Sumpfmeise
Sumpfmeise (Poecile palustris)

Während die Sumpfmeise den kleineren Kehlfleck und die glänzene Kopfplatte hat, ist auch diese am besten über den Gesang im Feld sicher bestimmbar.

Beim Sumpfmeisen-Gesang sind eher aufgeregte und scharfe Töne vorherrschend.

Die auch „Nonnenmeise“ oder „Graumeise“ genannte Sumpfmeise (Parus palustris) hat eine  Körperlänge von durchschnittlich elf bis dreizehn Zentimetern und kommt mit einem Bestand von gut 500.000 Brutpaaren in Deutschland entsprechend häufiger or als die Weidenmeise.

Die Oberseite des Körpers ist graubraun, die Unterseite weißlich. Anders als ihr Name vermuten lässt lebt diese Meise nur ausnahmsweise in Sümpfen.

Bevorzugter Lebensraum sind naturbelassene, gern durch hohe Luftfeuchtigkeit bestimmte Laubwälder mit viel Totholz. Gelegentlich siedeln Sumpfmeisen auch in Gärten. Im Winter stehen bei den Vorrat sammelnden Vögeln vor allem Samen und Nüsse auf dem Speiseplan, im Sommer Insekten und Spinnen.

Die bevorzugt in Fäulnishöhlen brütenden Sumpfmeisen haben Gelege von fünf bis zehn Eier.

Nennen sich zwar Meise – sind aber gar keine

Die drei folgenden Arten Schwanzmeise, Beutelmeise und Bartmeise tragen zwar alle die Meise im Namen, sind es aber zoologisch betrachtet gar nicht.

So gehört die Schwanzmeise zur Familie der Schwanzmeise (Aegithalidae) zu der man Stand heute acht Arten zählt.

Die Bartmeise ordnet man der Familie der Bartmeisen zu – einer sog. monotypischen Familie, da die Bartmeise als einzige Art in dieser Familie auftaucht.

Bei der Beutelmeise haben wir in der Familie der Beutelmeisen (Remizidae) 13 Arten in 5 Gattungen.

Schwanzmeise

Schwanzmeise
Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)

Die Schwanzmeise ist ein äußerst possierliches Tierchen wie ich finde. Man kann sie besonders gut im Winter beobachten, wenn sie sich in Trupps zusammenschließen und umherziehen. Aber natürlich kommt die Schwanzmeise bei uns ganzjährig vor und kann auch im Sommer beobachtet werden.

Auffälligstes Merkmal der im Volksmund auch „Pfannenstiel“ genannten, etwa 15 cm langen Schwanzmeise (Aegithalos caudatus) ist ihr bis zehn Zentimeter messender Schwanz, der dem Vogel das Ausbalancieren beim Klettern erleichtert.

Und trotzdem: Schwanzmeise ist nicht gleich Schwanzmeise. Während bei uns in Mitteleuropa vorwiegend die streifenköpfige Unterart vorkommt, gibt es noch eine nordische Unterart – erkennbar an einem reinweißen Kopf.

Schwanzmeise weißköpfig
Schwanzmeise mit weißem Kopf, Typ caudatus

Und zwischen „scharfer Begrenzung“ (europaeus) der Streifen auf dem Kopf und den Vertretern mit den „reinweißen“ Köpfen (caudatus) gibt es noch diverse Abstufungen (europaeus-ähnlich oder caudatus-ähnlich). Wem das alles zu komplex ist, darf aber weiterhin auch einfach nur Schwanzmeise sagen 🙂

Schwanzmeisen bauen übrigens kunstvoll verfilzte Kugelnester, in denen sie Gelege von sechs bis zwölf Eiern bebrüten.

Beutelmeise (Remiz pendulinus)

Beutelmeise
Beutelmeise (Remiz pendulinus)

Ein echter Nestbaukünstler und in Deutschland leider selten ist die Beutelmeise. Lediglich 3.000 bis 5.000 Brutpaare bauen ihre Hängenester für Gelege mit vier bis acht Eiern vorzugsweise in schilfreichen Feuchtgebieten mit Erlen- oder Weidenbestand.

Beutelmeise Nest
Beutelmeise Nest

Wenn im Herbst das Laub von den Blättern fällt kann man dann mit etwas Glück Altnester der Beutelmeisen in den Ästen finden.

Der vom Erscheinungsbild leicht mit dem Neuntöter verwechselbare Vogel hat ein rotbraunes Gefieder von dem sich der graue Kopf mit der schwarzen Augenmaske farblich deutlich abhebt. Beutelmeisen fressen Insekten, Larven, Spinnentiere und Samen.

Bartmeise (Panurus biarmicus)

Bartmeise
Bartmeise Weibchen (Panurus biarmicus)

Markante Merkmale der männlichen Bartmeise sind ihr langer Schwanz und die nach unten langgezogenen schwarzen Streifen im Augen-Wangen-Bereich. Diese Streifen geben den Vogel-Männchen das Aussehen von Bartträgern. Die Weibchen haben keinen Bart.

Die Körperoberseite der Bartmeise ist von gelblich-rotbraunem Gefieder bestimmt. Der Kopf ist dagegen hellblau-grau-farbig und die Brut gelblich-beige. Lebensraum der in Deutschland kaum mehr als 6.000 Brutpaare zählenden Art sind fast ausschließlich Feuchtgebiete mit Schilfröhricht, in das die Bartmeisen ihre napfähnlichen Nester für Gelege von vier bis sechs Eier bauen können. Im Sommer besteht die Nahrung vor allem aus Insekten und Würmern, im Winter aus Schilfsamen. Zur besseren Verdauung dieser Samen nehmen die Vögel zusätzlich kleine Mengen von Sand zu sich.

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2 Kommentare
  • Andrea Karminrot
    Posted at 07:45h, 23 Juni Antworten

    Dir würde das Buch über die Meisen, das ich vorgestellt habe bestimmt gut gefallen.
    Viel Freude damit, solltest du es dir tatsächlich besorgen…

    • Bernd Kleinschrod
      Posted at 11:08h, 26 Juni

      Danke 🙂

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