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Pfrunger-Burgweiler Ried

Pfrunger-Burgweiler Ried – Wandern zum Aussichtsturm

Das Pfrunger-Burgweiler Ried mit seinem Aussichtsturm und den schönen Wanderwegen eignet sich hervorragend für einen Ausflug. Ich habe das erste wärmere Wochenende des Jahres genutzt, das Naturschutzgebiet besucht und war sehr begeistert.

Wanderweg durch den Bannwald

Da für mich 2 Stunden Anfahrt anstehen und ich an diesem Tag noch den nahe gelegenen Federsee besuchen möchte, entscheide ich mich für den kürzesten Rundweg. So kann ich das Gebiet in aller Ruhe erkunden und mir genügend Zeit für Fotos und Beobachtungen nehmen.

Für die kurze Umrundung parke ich am Spielplatz am Burgweiler. Ich packe die Kamera in den Rucksack und schnell bringt mich die Beschilderung „Riedlehrpfad“ auf den Weg. Es geht erst ein kleines Stück durch den Wald, ehe ich den Riedlehrpfad nach links und damit den Wald verlasse, um kurze Zeit später in die Anfänge des Bannwaldes einzutauchen.

Nach kurzer Zeit werde ich auf einem kerzengeraden Weg ausgespuckt – gezogen wie ein Strich durch die Landschaft. Dieser bringt mich schnurstracks zum Beobachtungsturm – allerdings nicht ohne die eine oder andere Beobachtung.

Zahlreiche Schmetterlinge fliegen umher und auch die Greifvögel segeln Vormittag schon in der Thermik am Himmel. Eine Beobachtung macht mich direkt stutzig – ich hole die Kamera aus dem Rucksack und mache gerade noch rechtzeitig ein Freihand-Foto, bevor der Greifvogel wieder hinter den Baumwipfeln entschwindet.

Rotmilan verletzt

Flügelunterzeichnung und Färbung lassen mich direkt auf einen Rotmilan schließen – aber was ist mit dem Schwanz? Vielleicht hatte er einen Unfall? Er konnte auf jeden Fall dem Anschein nach problemlos steuern.

Aussichtsturm am Pfrunger-Burgweiler Ried

Die Kamera nun im Anschlag folge ich dem Weg weiter und steuere auf den Beobachtungsturm zu. Diesen sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Zum einen ist er aus der Ferne schon architektonisch echt hübsch anzuschauen. Die innenliegende Treppe zählt 219 Stufen – und jede einzelne ist den langen Weg (38,8 Meter Turmhöhe) wirklich wert.

Als ich oben ankomme, habe ich nicht nur einen hervorragenden Blick über das komplette Ried sondern erblicke sogar die Alpen. Ich habe an diesem warmen Tag Anfang April wirklich Glück mit dem Wetter.

Ich gebe es zu: Ich bin ein bisschen stoked und verharre am Ende bestimmt eine Stunde in der prallen Frühlingssonne. Von dort oben habe ich eine hervorragenden Blick und bin nahezu auf Augenhöhe mit Rotmilanen und Mäusebussarden. Silberreiher, Stockente, Weißstorch und Graugänse komplettieren die Flugshow vor der überragende Kulisse.

Schweren Herzens entscheide ich mich dann schließlich doch zum weitergehen – ich habe schließlich noch einiges vor an diesem Tag. Und die Aussichten machen mir den Abschied dann doch nicht ganz so schwer: Es geht weiter auf dem Holzsteg durch das Kerngebiet des Pfrunger-Burgweiler Rieds.

Holzsteg durch das Ried zum Fünfeckweiher

Die eine oder andere Ecke lädt zum verweilen ein, es gibt Frösche und Enten zu beobachten, mein Blick wandert nach oben und – HUI! In richtig großer Höhe – direkt über mir – kreist ein Fischadler in der Thermik. Ich schaffe es gerade noch – mit der Kamera kopfüber – ein unscharfes Belegbild zu machen, bevor er meinem Blick entschwindet.

Was wäre wohl gewesen wenn ich die 10 Minuten noch auf dem Turm ausgeharrt hätte? Ah ja: Hätte, hätte Fahrradkette 🙂 Vielleicht hätte ich ihn von dort gar nicht gesehen und so bin ich froh um diese Beobachtung und laufe den Steg zum Fünfeckweiher weiter. Einem See, der durch Torfstich entstanden ist.

Eine Beobachtungsplattform bietet noch einmal eine Sitzgelegenheit um neben diversen Ententarten noch in Ruhe Rotmilan, Kormoran und Höckerschwan zu beobachten.

Kurz nach dem See endet der Steg dann bereits und es geht auf einem nicht minder schönem Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Parkplatz am Bannwaldturm

Wer es ganz eilig hat, für den bietet sich der Parkplatz am Bannwaldturm an. Nach 10 Minuten Fußweg ist man dann bereits am Turm – und eben so schnell natürlich wieder am Auto. Empfehlenswert ist es aber natürlich sich einen der Rundwege vorzunehmen. So hat man wesentlich Chancen auf tolle Beobachtungen und kann dieses einmalige Gebiet viel besser erleben.

Rundweg ab der Riedwirtschaft

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann sich als Alternative den Rundweg ab der Riedwirtschaft vornehmen. Die Gastronomie dort bietet natürlich eine prima Gelegenheit, um sich vor oder nach  der Wanderung (oder beide Male ;-)) zu stärken.

Der Rundweg geht knapp 10 km und bietet die zusätzliche Möglichkeit noch einen Blick auf den Vogelsee oder Nill-See zu werfen. Bestimmt auch eine sehr reizvolle Alternative, die ich mit Sicherheit auch einmal erwandern werde🚶

Wissenswertes zum Pfrunger-Burgweiler Ried

Die Artenvielfalt am Pfrunger-Burgweiler Ried ist enorm. Mein persönliches Highlight, den Schwarzstorch, konnte ich zwar an diesem Tag nicht beobachten (dafür bräuchte es häufigere Besuche), aber trotzdem konnte ich einen guten Eindruck von der Vielfalt des Gebietes bekommen. Laut Wikipedia sind 580 Pflanzenarten erfasst.

Auch die Artenliste der Insekten und Vögel ist beeindruckend: 6 Eulenarten, Kranich und sogar das Birkhuhn stehen auf der Liste. Wobei ich davon ausgehe, dass letztgenannte Art heute dort nicht mehr anzutreffen ist.

Das Gebiet umfasst 2600 Hektar und ist damit (nach dem Federsee in Bad Buchau) das zweitgrößte zusammenhängende Moorgebiet in Südwestdeutschland. 441 Hektar davon misst übrigens das Bannwaldgebiet – und ist damit das größte in Baden-Württemberg. Ich persönlich hätte das ja intuitiv eher im Schwarzwald angesiedelt… Klar, dass sich der Schwarzstorch hier wohl fühlt.

Trotzdem ist es erschreckend, wie viel Lebensraum der Mensch hier schon zerstört hat: Ursprünglich waren es 3.000 Hektar Moorfläche. Davon wurden fast 2.000 in Grünfläche umgewandelt. 400 Hektar mit Birken und Erlen aufgeforstet: Vor allem die Nieder- und Zwischenmoor-Bereiche sind somit nahezu verschwunden. Lediglich die Hochmoore sind mit einer Fläche von rund 150 Hektar größtenteils erhalten geblieben.

Dennoch ein einmaliges Gebiet, dass in jedem Fall einen Besuch wert ist.

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