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DSLR vs. DSLM

Spiegellose Systemkamera oder Spiegelreflex – Was ist besser?

Spiegellose Systemkamera oder Spiegelreflex? Wer vor dem Kauf einer neuen Kamera für  anspruchsvolle Fotografie steht, stellt sich unweigerlich diese Frage. Während vor ein paar Jahren noch Spiegelreflex-Kameras (auch genannt DSLR-Kameras – Digital Single-Lens Reflex) das Maß aller Dinge waren, sind heute spiegellose Systemkameras (auch genannt DSLM-Kameras – Digital Single Lens Mirrorless) eine ernstzunehmende Alternative – oder vielleicht doch nicht?

Der wesentliche Unterschied zwischen spiegelloser Systemkamera und Spiegelreflex

Wichtig ist zu Beginn noch mal kurz die Begrifflichkeiten zu klären: Eine Systemkamera ist nichts anderes, als eine Kamera, bei der Komponenten ausgetauscht werden können – wie beispielsweise das Objektiv.

Dementsprechend ist auch eine DSLR eine Systemkamera! Umgangssprachlich wird aber oft von “Systemkameras und Spiegelreflexkameras” gesprochen. Mit Systemkamera ist in diesem Zusammenhang daher meist eine spiegellose Systemkamera gemeint.

Vielleicht ist es dir selbst schon aufgefallen: Eine spiegellose Systemkamera ist kompakter als eine Spiegelreflexkamera. Das ist vor allem bedingt durch die Bauart, die Namen der Systeme verrate es bereits: Eine Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) verfügt über ein Spiegelsystem, eine spiegellose Systemkamera verzichtet darauf völlig.

Aus diesem grundlegenden Unterschied in der Konstruktion ergeben sich auch die meisten Unterschiede zwischen den beiden Systemen.

Die Unterschiede im direkten Vergleich

In einer idealen Welt sähe ein direkter Vergleich der Eigenschaften von spiegellosen Systemkameras und Spiegelreflexkameras aktuell ungefähr wie in folgender Tabelle aus. Man muss hier allerdings immer ein sehr dickes “Aber” hinzufügen. Zu den einigen Bewertungskriterien werde ich im Nachgang noch einige Gedanken dazu ergänzen (Wie groß ist der Unterschied wirklich? Wie stark ist das Kriterium zu gewichten?)

 

DSLR DSLM
Geringeres Gewicht
Kompaktere Bauweise
Günstigerer Preis
Besserer Sucher Optisch Elektronisch
Bessere Bildqualität
Besserer Autofokus (✔)
Bessere Akkulaufzeit
Bessere Videofunktion
Mehr Objektive / Zubehör
Höhere Bildrate

 

In diesem Fall des direkten Vergleichs gehe ich davon aus, dass ich zwei ähnliche Kameras miteinander vergleiche: Etwa die Sony α7 II mit einer Nikon D750.

Denn nehmen wir als Beispiel den Vorteil der Kompaktheit von DSLM-Systemen: Eine Sony α7 II (DSLM) wiegt 556 g, eine Nikon D3400 (DSLR) wiegt 395 g (jeweils nur Gehäuse, ohne Akku, Speichermedium, Objektiv usw.). Wenn ich jetzt die generelle Behauptung aufstelle, eine DSLR sei schwerer als eine DSLM ist diese damit sofort widerlegt.

So ein direkter Vergleich macht natürlich nur Sinn, wenn wir ähnliche Kameras miteinander vergleichen. Da die Sony α7 II eine sogenannte Vollformatkamera und die Nikon D3400 eine “Cropkamera” ist (das bedeutet die Sony hat einen größeren Sensor, dieser ist wichtig für eine gute Bildqualität), kann dieser Vergleich natürlich nicht fair sein. Das ist als würde ich das Model 3 von Tesla (Gewicht 1.610 kg) mit einem Audi Q5 (Gewicht 1.735 kg) vergleichen und behaupten: Elektroautos sind viel leichter!

Wenn du also unterschiedliche Kameras anschauen wirst, bekommst du auch unterschiedliche Werte: Eine Lumix G9 wiegt 658 g, eine Olympus E-M1 Mark II (mit MFT-Sensor) wiegt 498 g.

Geringeres Gewicht –  So viel ist eine spiegellose Systemkamera wirklich leichter

Wie bereits ausführlich erläutert gewinnt hier die DSLM. Aber gewinnt eine DSLM so deutlich, dass sich der Unterschied bemerkbar macht?

Nehmen wir wieder die genannte  Sony α7 II und vergleichen Sie mit einer Nikon D750 (DSLR) – beide spielen in einer ähnlichen Kameraklasse.

Das Gehäuse der Nikon D750 wiegt 750 g – das sind 194 Gramm mehr, also fast 35 Prozent. Jetzt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden ob dieser Gewichtsunterschied von knapp 2 Tafeln Schokolade für ihn relevant ist. Wenn ich einen halben Liter Wasser in den Rucksack lege, habe ich hier schon einen halben Kilo mehr im Gepäck.

Bei kleineren Tagesausflügen mag der Gewichtsunterschied vom Gehäuse also kaum einen Unterschied ausmachen. Bei längeren Mehrtagestouren können 200 Gramm natürlich schon entscheidend sein.

Und bei kleineren Systemen fällt der Unterschied entsprechend auch noch einmal geringer aus. Eine Nikon D5300 (Spiegelreflex-Kamera) wiegt etwa schon nur noch 415 Gramm (nur Gehäuse) – hier gilt es also jeden Einzelfall noch einmal zu prüfen.

Das Objektiv nicht vernachlässigen

Jetzt haben wir natürlich nur das Kameragehäuse betrachtet. Damit können wir aber noch keine Fotos machen. Neben Akku, Speichermedium, Kameragurt usw. kommt natürlich noch das Objektiv auf die Kamera drauf.

Nehmen wir ein 50 mm Standardobjektiv. Das Nikkor AF-S 50 mm 1:1,8G wiegt ca. 185 Gramm – das vergleichbare Sony FE 50mm F1.8 (SEL50F18F) wiegt 186 Gramm. Ein Unterschied ist hier also schon gar nicht mehr gegeben.

Und in vielen Fällen kann das Gewicht des Objektives sogar das Gewicht der Kamera übersteigen: Das NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E AF-S ED VR wiegt 1.070 g, das AF-S DX NIKKOR 18–300 mm 1:3,5–5,6G ED VR 830 g.

Wenn man nun das Gesamtgewicht einer spiegellosen Systemkamera und einer Spiegelreflex vergleicht und ein Gewicht von 1.500 Gramm mit  1.700 Gramm gegenüber stellt sind es plötzlich nur noch rund 13 Prozent Gewichtsunterschied. In keinem Fall ein wirkliches Leichtgewicht.

Wer allerdings ein wirkliches Leichtgewicht bei bestmöglicher Bildqualität möchte, der ist tendenziell eher mit einer spiegellosen Systemkamera (DSLM) besser bedient. Mit einem kleinen Modell und einem leichten Objektiv bekommt man einen schönen Kompromiss aus Flexibilität, Bildqualität und Gewicht – und profitiert von der kompakten Bauweise.

Der (aktuelle) Preisvorteil von Spiegelreflex-Systemen

Tendenziell sind DSLR-Systeme günstiger in der Anschaffung. Während früher die DSLM-Kameras deutlich teurer waren, ist der Unterschied heute kaum noch relevant. Man bekommt zwar bei DSLR-Systemen – für mein persönliches Empfinden – noch etwas mehr Leistung fürs Geld, aber das Gefälle ist nicht mehr so extrem.

Anders sieht es Stand heute bei den Objektiven aus. Hier gibt es teilweise noch deutliche Unterschiede, die sich allerdings auch in wenigen Jahren neutralisieren können.

So kostet ein 70-200 f2.8 für Sony aktuell rund 2.600 Euro. Für Nikon oder Canon gibt es von Tamron ein Objektiv für ca. die Hälfte – rund 1.300 Euro.

Dies ist auch bedingt durch das größere Angebot von Objektiven (und Zubehör) Spiegelreflexkameras – verbunden mit einem anderen Wettbewerb am Markt.

Da das System schon lange etabliert ist gibt es hier einige Fremdanbieter wie etwa Tamron oder Sigma, die hervorragende Objektive für DSLR Kameras von Nikon oder Canon anbieten.

Momentan gibt es also einen kleinen Preisvorteil für Spiegelreflex gegenüber spiegellosen Systemkameras. Es bleibt allerdings abzuwarten wie sich der Markt in der kommenden Zeit entwickeln wird.

Robustheit der beiden Systeme

Die mechanische „Bauweise“ der DSLR birgt natürlich mögliche theoretische Fehlerquellen. Bauteile wie der Auslösemechanismus sind einem gewissen Verschleiß unterlegen. Auch die Anfälligkeit gegen Stöße ist größer. Beim Auslösevorgang werden durch den Spiegelanschlag kleine Vibrationen auf das Gehäuse üertragen. Der dedizierte AF-Sensor der DSLR liegt nicht mit dem Sensor auf einer Ebene und hat daher theoretisch (!) immer eine leichte Fehlertoleranz. Und so weiter.

In der Praxis hatte ich hier allerdings mit DSLR-Systemen nie Schwierigkeiten. Ich habe als Hobbyfotograf mit meiner Nikon D7100 in 5 Jahren mittlerweile knapp 120.000 Fotos geschossen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit der Kamera noch entspannt ein bis zwei Jahre auf die Pirsch gehen kann.

Sie funktioniert immer noch einwandfrei, und das obwohl ich nicht gerade sanft mit meiner Kamera draußen im Feld umgehe. Entsprechend hat sie mittlerweile einige Macken und Schrammen am Gehäuse – aber das sind eher Mängel kosmetischer Natur.

Und obwohl sie noch super funktioniert, überlege ich schon seit mehreren Monaten, mir eine neue anzuschaffen: Leistungsfähigere Sensoren und Autofokussysteme, höhere Serienbildgeschwindigkeiten, mehr Features wie klappbare Displays, eingebautes WLAN/Bluetooth oder 4k-Videos.

In den letzten 5 Jahren hat sich einfach viel bewegt auf dem Kameramarkt. Eine neue Kamera würde also auch meiner Fotografie wieder neue Möglichkeiten eröffnen.

Das Argument des Verschleißes bzw. der Robustheit ist also denke ich in 90% der Fälle ein eher theoretisches. Die meisten Fotografen kaufen sich eine neue Kamera, obwohl die alte noch prima funktioniert.

Und auch bei spiegellosen Systemen bleibt erst einmal abzuwarten, wie fehlerfrei diese über mehrere Jahre eingesetzt werden können. Denn auch rein elektronische Systeme können den Geist aufgeben.

Elektronischer Sucher vs. optischer Sucher – Was ist die bessere Wahl?

Der Eingangs erwähnte Hauptunterschied zwischen beiden Systemen (DSLR = mit Spiegel, DSLM = ohne Spiegel) hat vor allem auf einen Punkt eine direkte Auswirkung: Den Sucher.

Auslöser DSLRBei der DSLR wird über den Einsatz von Spiegel und Pentaprisma quasi das “Livebild” durch das Objektiv zum Auge des Fotografen geleitet. Drückt der Fotograf den Auslöser, klappt der Spiegel hoch und das Licht fällt auf den Kamerasensor (bzw. früher auf den Film). In diesem Moment wird das Bild für den Fotografen übrigens entsprechend der Belichtungszeit kurz schwarz.

 

Aufbau einer DSLR Kamera

Aufbau einer DSLR Kamera – © Nikon GmbH

Die DSLM dagegen verzichtet auf den Spiegel. Daher fällt hier das Licht durch das Objektiv immer direkt auf den Kamerasensor. Daraus wird dann für den Fotografen ein elektronisches Abbild erstellt, ähnlich wie wenn du mit deinem Smartphone ein Foto machst. Wenn du bei einer DSLM also durch den Sucher schaust, blickst du auf einen kleinen Bildschirm.

Man spricht daher bei DSLM-Kameras von elektronischen Suchern, wohingegen bei DSLR-Kameras der Fotograf das “echte” Abbild direkt durch den Spiegel sieht – der sogenannte optische Sucher.

Wozu überhaupt ein Sucher?

Jetzt denkst du dir vielleicht: Ist ja alles schön und gut – aber das ist doch total egal ob das jetzt elektronisch oder optisch ist? Bei meinem Smartphone brauche ich ja nicht mal einen Sucher, da nehme ich einfach das große Display!

Jein. Damit hast du zum Teil recht. Wenn du eine DSLR im Live-View-Modus verwendest, hast du gewissermaßen auch eine spiegellose Kamera. Denn in dem Moment wird der Spiegel in der Kamera dauerhaft nach oben geklappt, der Kamerasensor erstellt ein digitales Abbild und dieses wird auf das Kameradisplay übertragen.

Ein Sucher hat aber immer noch seine Daseinsberechtigung. Denn für sehr weitwinklige Aufnahmen (Landschaft, Architektur) mag es kein Problem sein mit dem Display zu arbeiten. Aber sobald du in den Telebereich eintauchst (Sport, Natur, Flugzeuge, teilweise auch Portrait, People, Street uvm.) wird es schwierig das Objekt mit dem Display zu erwischen.

Durch den verengten Bildausschnitt arbeitest du schneller wenn du mit dem Sucher arbeitest. Mit dem Sucher bist du treffsicher und dir entgeht keine Fotosituation.

Hauptvorteil elektronischer Sucher

Der elektronische Sucher kann vor allem mit der bildgetreuen Abbildung der Situation punkten. So siehst du hier das Bild in der Form, in der es auch auf die Speicherkarte geschrieben wird.

Änderst du also Parameter wie die Belichtungszeit siehst du in der Simulation sofort, wie das Bild heller oder dunkler wird.

Vorteile optischer Sucher

Trotzdem wird heute von vielen Fotografen noch der optische Sucher bevorzugt.

Denn der optische Sucher hat einen generellen Geschwindigkeitsvorteil. Während der Fotograf hier das Geschehen in Echtzeit sieht, kommt es bei elektronischen Suchern zu einer Verzögerung – denn das Bild muss natürlich erst digital verarbeitet werden ehe es durch das Objektiv über den Kamerasensor auf das Auge des Fotografen trifft.

Noch vor einigen Jahren war dies deutlich spürbar und so für Sport-/Action-/Naturfotografen quasi nicht zu gebrauchen. Diese sind darauf angewiesen im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Für Landschaftsfotografen mag dies vernachlässigbar sein.

Aber auch hier sind die Prozessoren natürlich immer schneller geworden und bei den Top-Modellen der spiegellosen Systemkameras sind heute diese Verzögerungen eigentlich nicht mehr spürbar.

Trotzdem gilt: Wer Sport-, Action- oder Naturfotografie betreibt und dabei sich schnell bewegenden Objekten folgen muss, ist mit einem optischen Sucher der DSLR aktuell noch besser beraten.

Ein weiterer Vorteil für optische Sucher: Der Stromverbrauch. So ein Display und die entsprechende Bildverarbeitung benötigt natürlich Strom, dies entfällt bei einem optischen Sucher.

Zudem empfinde ich persönlich das Bild von optischen Suchern als heller, schärfer und deutlich natürlicher. Aber am Ende empfiehlt es sich dass man seine eigenen Erfahrungen sammelt und für sich selbst entscheidet welcher Sucher der bessere ist – und ganz wichtig: Ob der Sucher überhaupt ausschlaggebend sein sollte bei der Wahl des passenden Kamerasystems.

Man kann aber schon sagen, dass (Stand heute) im Bereich von 600 Euro die optischen Sucher der Spiegelreflexkameras den elektronischen Suchern von DSLM-System überlegen sind.

Welches System hat die bessere Bildqualität?

Die Antwort: Keines. Die Bildqualität ist unabhängig davon, ob es eine DSLM oder DSLR ist. Am Ende verfügen beide Systeme über einen Kamerasensor und über ein Objektiv.

Der Kamerasensor von Spiegelreflex- und spiegelloser Systemkamera

Stand heute produziert Sony sehr gute Sensoren. Deswegen hat Nikon aber nicht die schlechtere Bildqualität – denn Nikon bezieht seine Sensoren tatsächlich auch wieder von Sony.

Jetzt werden teilweise noch Diskussionen darüber geführt, ob Sony denn wirklich seine besten Sensoren auch Nikon zur Verfügung stellt oder diese nur exklusiv für die eigenen Systemkameras verwendet. Meiner Meinung nach führen solche Ansätze allerdings zu keinen produktiven Ergebnissen.

Canon sagt man nach, dass ihre Sensoren, die sie in eigenen Fertigungsstätten herstellen, aktuell etwas zurückhängen und der Dynamikumfang nicht ganz so groß ist.

Auch hier gibt es natürliche ständige Weiterentwicklungen und Canon wird seine Bemühungen sicherlich verstärken. Ähnliche Entwicklungen können immer wieder am Makt beobachtet werden, etwa bei Prozessoren.

Früher hatte AMD die besten Prozessoren entwickelt, anschließend war Intel wieder führend. So wird es auch bei den Kamerasensoren noch weitere Entwicklungen in den kommenden Jahren geben.

Wer mehr zur Herkunft von Kamerasensoren erfahren möchte, findet hier weitere Infos

Aber Sensoren sind nicht der einzige Faktor bei der Bildqualität.

Die Auswirkung von Objektiven auf die Bildqualität

Einen wesentlichen Anteil an einer hervorragenden Bildqualität haben die eingesetzten Objektive. Wird das Licht durch ein günstiges Objektiv geschickt, welches Unschärfen, chromatische Aberrationen oder andere Abbildungsfehler verursacht, bringt der beste Sensor nichts. Ein hochwertiger Kamerasensor benötigt also auch immer ein hochwertiges Objektiv, damit er seine volle Qualität ausspielen kann.

Hier gibt es für beide Systeme – Spiegelreflex und spiegellose Systemkameras – hervorragende Lösungen. Fremdanbieter wie Tamron oder Sigma produzieren ihre Objektive auch mit einem Anschluss für bspw. Kameras von Sonys.

Natürlich haben die etablierten DSLR-Hersteller Canon und Nikon einen Vorteil: Sie können auf eine jahrzehntelange Historie zurückblicken und man findet heute am Markt gebrauchte Objektive zu einem fairen Preis, die schon 20 Jahre alt sein können aber immer noch hervorragende Abbildungseigenschaften vorweisen können, auch auf digitalen Spiegelreflexkameras.

Objektive für spiegellose Systemkameras mögen wie bereits erläutert etwas teurer sein, dies kann sich in den kommenden Jahren allerdings neutralisieren.

Besserer Autofokus – spiegellose Systemkamera oder Spiegelreflex?

Diesem Thema könnte man einen komplett eigenen Artikel widmen. Grundlegend solltest du wissen, dass zwei verschiedene Technologien beim Autofokus (AF) eingesetzt werden: Der Phasen-AF und der Kontrast-AF.

Die komplexen technischen Hintergründe werde ich an dieser Stelle nicht weiter erörtern. Wichtig ist dabei, dass der Phasen-Autofokus schneller und zuverlässiger als der Kontrast-Autofokus arbeitet.

Vor ein paar Jahren noch waren DSLM-Kameras ausschließlich mit dem schlechteren Kontrast-AF-System versehen. Heute allerdings verwenden einige spiegellose Systemkameras auch den Phasen-AF – teilweise sogar in Kombination mit einem Kontrast-AF! Das nennt sich dann Hybrid-Autofokus.

Sport- und Naturfotografen greifen aber Stand heute tendenziell eher zu DSLR-Systemen mit einem reinen Phasen-AF, wenn es um einen zuverlässigen Autofokus geht.

Liegt der Anwendungsfokus weniger auf Fotografie sondern mehr auf Videographie, dann liegen hier DSLMs mit diversen Vorteilen an der Spitze.

Welches System hat den höheren Akkuverbrauch?

Ganz klar: Spiegellose Systemkameras haben den höheren Akkuverbrauch. Wie oben erläutert verfügen DSLMs über einen elektronischen Sucher. Dieser muss natürlich die ganze Zeit mit Strom versorgt werden.

Sony selbst gibt für seine Vollformatkameras α7R II  eine Akkulaufzeit von ca. 290 Aufnahmen (Sucher) bis ca. 340 Aufnahmen (LC-Display) an (nach CIPA-Standard) – was schon sehr wenig ist. Im Vergleich: Eine Nikon D810 schafft ca. 1.200 Bilder mit einer Akkuladung (ebenfalls nach CIPA, dem Interessensverband der japanischen Fotoindustrie)

Man muss hier also mehr Akkus mit sich führen als bei einer DSLR, wenn man auf Fototour geht und logischerweise öfter den Akku wechseln. Ob das nun relevant ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für Action-/Sport-/Naturfotografen kann (muss aber nicht) dies schon störend sein. Denn diese geben oftmals “Dauerfeuer” und schießen viele Bilder in den entscheidenden Szenen – hier können pro Auslösevorgang schnell mal 10 bis 20 Aufnahmen entstehen.

Im dümmsten Fall muss also nach 15 Szenen schon der Akku gewechselt werden – und das kann dazu beitragen, dass man z.B. im Sport die wichtigste Szene des Spiels verpasst.

Bessere Videofunktion

Wer seinen Schwerpunkt auf das Filmen legt, der wird bei einer spiegellosen Systemkamera zu Hause sein.

Denn bei einer Spiegelreflex passiert beim filmen nichts anderes, als dass der Spiegel der Kamera nach oben klappt, das Bild anschließend auf dem Sensor verarbeitet und auf dem Display der Kamera ausgegeben wird. Sie mutiert sozusagen zu einer DSLM.

In diesem Zustand steht der DSLR der Phasen-AF allerdings nicht mehr zur Verfügung – nur noch der langsamere Kontrast-AF des Sensors kann nun eingesetzt werden. Sobald man sich also im Live-View einer DSLR befindet – egal ob zum fotografieren oder zum filmen – muss man auf den Vorteil starken Phasen-AF verzichten.

Bei spiegellosen Systemkameras hingegen muss man dies nicht. Denn hier ist im Gegensatz zur DSLR der Phasen-AF direkt auf dem Sensor verbaut. Der schnelle Autofokus steht hiermit auch im Live-View-Modus zur Verfügung.

Dieser Vorteil relativiert sich allerdings wiederum recht schnell für die meisten Profis. Denn diese verzichten beim filmen völlig auf den Autofokus und fokussieren immer manuell, um die volle Kontrolle zu erlangen – so ein Autofokus kann z.B. schon mal daneben liegen oder sonstige ungewünschte Effekte zeigen.

Mehr Objektive / Zubehör

Wenn es um die Verfügbarkeit von Objektiven und Zubehör geht, haben die DSLRs um Canon und Nikon die Nase vorne, denn sie können auf sehr lange Historie zurückblicken.

So brachte Nikon im Jahr 1959 mit der Nikon F die erste Kleinbild-Spiegelreflex auf den Markt. Auch Canon ging in den 1960ern mit den ersten SLRs an den Markt. Und da sich die Bajonettanschlüsse seitdem nicht verändert haben, kann man auch heute noch die Linsen von damals auf die Kameras von heute setzen.

Einige ältere Objektive verfügen zwar über keinen Autofokus, dafür kann man hier professionelle Objektive für schmales Geld erwerben.

Die lange Historie in Kombination mit der entsprechend großen Verbreitung der DSLR-Systeme von Nikon und Canon ruft natürlich Fremdhersteller auf den Markt.

So haben Marken wie Tokina, Tamron, Sigma, Samyang uvm. Objektive unterschiedlichster Brennweiten und Abbildungsqualitäten im Portfolio.

Und was für Objektive gilt, gilt natürlich auch für Zubehör in allen erdenklichen Ausprägungsstufen. Von chinesischen Ersatzteil-Nachbauten für Augenmuscheln, Gegenlichtblenden uvm. bis hin zu individuellen Lösungen von Hardware bis Software ist der Zubehörmarkt für DSLR-Kameras

Aber da die spiegellosen Kameras immer weiter Verbreitung finden, werden natürlich auch diese für Fremdhersteller immer interessanter. Von daher ist damit zu rechnen, dass auch hier in Zukunft immer mehr Objektive und Zubehör von Fremdherstellern am Markt verfügbar sein wird.

Allerdings gibt es auch einen spannenden Punkt, der vorteilhaft für DSLMs ist: Ein Objektiv einer DSLR Kamera lässt sich mittels eines Adapters auch an einer DSLM anbringen. Man muss dann zwar in einigen Fällen auf den Autofokus verzichten, ein DSLM-Objektiv hingegen lässt sich kaum an eine DSLR adaptieren.

Auch das ist wieder bedingt durch die Bauart (Spiegel vs. fehlender Spiegel): Bei DSLR-Kameras ergibt sich ein sogenanntes höheres Auflagemaß. Vereinfacht gesagt heißt das, dass der Abstand zwischen Objektiv und Sensor bei einer Spiegelreflex höher ist, da hier ja noch der Spiegel dazwischen liegt.

Durch das Adaptieren eröffnen sich für DSLM-Fotografen viele neue Optionen.

Höhere Bildrate

Auch hier bedingt die Bauart wieder den Gewinner. Ihr erinnert euch: Eine DSLR verfügt über einen Spiegel, einen DSLM nicht. Und dieser Spiegel wird beim Auslösevorgang zuerst nach oben geklappt, bevor der Verschluss den Weg für das Licht auf den Sensor frei macht – was natürlich Zeit kostet. Wie das aussieht, seht ihr hier noch mal in dieser Super-Zeitlupe

 

Allerdings gilt auch hier wieder: Pauschalisieren ist schwierig, denn am Ende haben unterschiedliche Kameramodelle unterschiedliche Bildraten im Gepäck.

Schauen wir uns die Nikon D5 an: Hier sind Serienaufnahmen sind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 Bildern pro Sekunde möglich – siehe nachstehendes Video:

Die Sony α7R II liefert dagegen Serienaufnahmen mit fünf Bildern pro Sekunde.

Fazit: Spiegellose Systemkamera oder Spiegelreflex – Was ist besser?

Du merkst schon: Jedes System hat seine Vor- und Nachteile, wobei die spiegellosen Systemkameras in den vergangenen Jahren viele ihrer Nachteile mittlerweile wett gemacht oder zumindest bei den Schwachpunkten deutlich nachgelegt haben, etwa bei den elektronischen Suchern oder in puncto Autofokus.

Es ist definitiv ein Thema, das gerne und heiß disktuiert wird – manchmal für meinen Geschmack zu heiß. Mit beiden Systemen kannst du hervorragende Fotos schießen.

DSLR Kameras werden auch in den kommenden Jahren noch eine Rolle spielen, allerdings sind DSLM Kameras mittlerweile mehr als nur ein Trend. Viele professionelle Fotografen setzen auf dieses System, das für einige (nicht alle) Einsatzzwecke mittlerweile zur (besseren) Alternative geworden ist.

Pauschal lässt sich diese Frage also kaum beantworten. Am Ende kommt es vor allem auf deine individuellen Anforderungen an:

 

  • Ich fotografiere bevorzugt Sport/Wildlife/Action: DSLR
  • Ich möchte vorzugsweise filmen: DSLM
  • Mir ist ein optischer Sucher wichtig (ausprobieren): DSLR
  • Mir ist ein großes Angebot an Objektiven + Zubehör wichtig: DSLR
  • Ich bevorzuge eine möglichst kompakte Bauweise: DSLM
  • Ich möchte möglichst wenig Ersatzakkus mit mir tragen: DSLR

 

Wie ist deine Meinung? Bevorzugst du Spiegelreflexkameras oder spiegellose Systemkameras? Oder macht es gar für deine Art der Fotografie keine Unterschiede? Ich freue mich über deine Meinungen und Anregungen! Hinterlasse mir weiter unten einfach einen Kommentar zu diesem Artikel.

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