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Scharfe Fotos

Scharfe Fotos – so gelingen sie garantiert

Scharfe Fotos aufzunehmen kann manchmal ganz schön frustrierend sein: Du hast das perfekte Motiv für dein Foto gefunden. Die Lichtstimmung ist genial und die Kamera schussbereit. Und dann ist das fertige Bild unscharf! Zu allem Übel kommt die Enttäuschung dann oft auch erst zu Hause am Bildschirm – die einmalige Fotogelegenheit ist längst weg. Die gute Nachricht: Unschärfe gehört zu den am leichtesten vermeidbaren Fehlern beim Fotografieren. Mit diesen Tipps werden auch deine Fotos in Zukunft gestochen scharf!

Tipp 1: Die richtige Kamerahaltung

Einer der Hauptgründe für unscharfe oder verwackelte Fotos steht in vielen Fällen hinter der Kamera. So wird oftmals die Kamera falsch gehalten – durch alle Kameraklassen hindurch. Vom günstigen Smartphone bis zur schweren Kombination aus DSLR und Teleobjektiv.

Falsche Kamerahaltung: Mit nur einer Hand und ausgestrecktem Arm

Für alle Arten von Kameras gilt: Nie am langen Arm fotografieren. Halte die Kamera nicht zu weit vom Körper weg. Es ist sehr schwierig, bei ausgestrecktem Arm scharfe Fotos zu machen. Diese Haltung lässt die Arme schnell ermüden und führt zu Verwackeln. Am besten hältst du den Sucher ans Auge (oder möglichst nah an den Körper, falls du keinen Sucher hast) und legst auch die Ellenbogen an den Körper. Auf diese Weise stabilisierst du deine Haltung und sorgst für eine ruhige Hand.

Deutlich besser: Beide Arme nah am Körper, die rechte Hand an der Kamera und die linke Hand stützt das Objektiv.

Dabei hilft es, eine lockere und entspannte Körperhaltung einzunehmen. Versuche, dich nicht zu verkrampfen. Wenn es das Motiv und die Situation erlauben, suche dir einen festen Untergrund. Optimal ist es, mit beiden Beinen etwa schulterbreit auf dem Boden zu stehen.

Halte die Kamera auch immer mit beiden Händen fest! Nicht irgendwie versuchen die Kamera nur mit einer Hand zu halten und mit der anderen Hand das Touchdisplay zu bedienen oder ähnlich. Wenn, dann hälst du die Kamera mit beiden Händen fest und nutzt freie Finger, um das Display oder die Rädchen an deiner Kamera zu bedienen.

Sobald du ein „etwas größeres“ Objektiv an der Kamera hast, unbedingt immer die linke Hand ans Objektiv und das Objektiv von unten stützen. Die rechte Hand bleibt an der Kamera am Auslöser.

Eine Möglichkeit die unruhige Hand zu überlisten ist natürlich auch die Verwendung eines Stativs. Leider ist das Fotografieren damit nicht ganz so spontan möglich und setzt eine gewisse Vorlaufzeit voraus.

Tipp 2: Achte auf deine Atmung

Luft anhalten? Ein Tipp, den ich schon oft gelesen/gehört habe, aber persönlich nicht empfehlen kann. Erfahrungsgemäß verkrampft der Körper, wenn du die Luft anhälst – mit locker bleiben ist dann nicht mehr viel.

Ich versuche ruhig und gleichmäßig zu atmen. Den Auslöser betätige ich dann, wenn ich komplett ausgeatmet habe und kurz bevor ich wieder einatme.

Probiere es einmal bewusst aus! Lege die Kamera wie oben beschrieben an (Ellenbogen am Körper, zwei Hände an der Kamera) und atme ruhig ein und aus. Du wirst beobachten, wie dein Oberkörper – und damit auch deine Kamera – sich beim einatmen anhebt und beim ausatmen absenkt.

Genau in dem Moment zwischen aus- und einatmen jedoch ist deine Kamera absolut ruhig.

Tipp 3: Stativ für den Fotografen

Der Einsatz eines Statives für die Kamera ist sicherlich ein gängiger Tipp. Sobald die Verschlusszeiten zu lang werden, hilft dir ein Stativ.

Zusätzlich zur Kamera kannst du noch versuchen, dich als Fotografen bestmöglich zu stabilisieren. Dass du nicht einbeinig balancierend auf einer Slackline fotografieren solltest, ist denke ich klar. Möglichst stabil zu stehen, ist das Ziel. Stelle dazu deine Füße mindestens schulterbreit auseinander.

Auch ein Treppengelände kann eine hilfreiche Stütze für Fotograf + Kamera sein

Wenn möglich, dann lehne dich sogar am nächsten Laternenmast oder Baumstamm an. Oder lege ein Knie auf den Boden und stütze auf dem zweiten Knie die Kamera ab. Am stabilsten ist es natürlich, wenn du dich komplett flach auf den Boden legst.

Tipp 4: Kontinuierlicher Autofokus

Ein weiteres Problem kann die falsche Autofokus-Einstellung bei sich bewegenden Motiven sein. Wer mal versucht hat, Vögel im Flug zu fotografieren, der weiß, was gemeint ist.
Stell dir einen Vogel vor, der direkt mit Maximalgeschwindigkeit in deine Richtung fliegt. Du stellst scharf und löst aus. In dem Moment zwischen scharfstellen und auslösen hat sich der Vogel jedoch weiterbewegt. Wird der Autofokus nicht permanent nachgeführt, werden deine Bilder unscharf, weil sich der Vogel in der Zwischenzeit aus der Schärfeebene rausbewegt hat.

Stelle daher deine Kamera auf kontinuierlichen Autofokus (auch AI Servo oder AF-C genannt), den einige Kameras besitzen. Dabei versucht die Kamera permanent, das Motiv scharfzustellen.

Tipp 5: Das richtige Autofokus-Messfeld

Autofokus-Messfelder der Nikon D7100 (c) Nikon

Oftmals muss ich leider auch feststellen, dass Bilder unscharf sind, weil der Fokuspunkt falsch sitzt. So wurde z.B. versehentlich nicht der Vogel auf dem Ast fokussiert, sondern das Laub um ihn herum.

Achte daher darauf, welcher Fokuspunkt deiner Kamera auf dem Motiv liegt. Viele moderne Kameras bieten die Möglichkeit, unter mehreren möglichen Fokuspunkten einen auszuwählen. Bei Tieren versuche ich den Fokuspunkt z.B. immer auf das Auge zu legen. Wie auch bei Portraits von Menschen sollten die Augen immer scharf sein.

Vom automatischen Autofokus-Messfeld kann ich übrigens in 95% der Fälle abraten. Hier versucht die Automatik herauszufinden, was das Hauptmotiv sein könnte und stellt darauf scharf. In den meisten Fällen funktioniert das für mich nicht.

Autofokus Kamera
9 Autofokus-Messfelder der Nikon D7100 (c) Nikon

Ich verwende dagegen eine manuelle Messfeldsteuerung. Bei meiner Kamera ist dies meist die Einstellung mit 9 Messfeldern. Hier werden zum Hauptfokusfeld in der Mitte noch die 8 umliegenden Felder berücksichtigt. Mit dem Steuerrad an meiner Kamera verschiebe ich dann den Fokuspunkt genau an die Stelle, an den ich ihn haben möchte.

Tipp 6: Manueller Fokus bei schwierigen Lichtsituationen

Auch die beste Kameraautomatik ist nicht unfehlbar. Deswegen kann es passieren, dass der Autofokus nicht korrekt sitzt und das Bild den Fokus nicht auf den gewünschten Platz gesetzt hat. Ein Fehlfokus kann ganz unterschiedliche Gründe haben. In dunklen Situationen z.B. arbeiten manche Fokussysteme nicht mehr ausreichend. Ebenfalls ungünstig sind spiegelnde oder stark reflektierende Bereiche. Abhilfe schafft hier der manuelle Fokus. Hier stellst du die Schärfe von Hand am Fokusring des Objektives ein. Kontrolliere aber spätestens hinterher immer am Bildschirm, ob der Schärfepunkt richtig sitzt und du korrekt scharf gestellt hast. Zoome hierzu auch in das Bild hinein.

Tipp 7: Kurze Verschlusszeiten

Arbeitest du ohne Stativ, sollte die Verschlusszeit als Faustregel immer der Kehrwert der Brennweite sein. Fotografierst du bspw. mit einem 35mm Objektiv, sollte die Verschlusszeit mindestens 1/35 Sekunde betragen. Bei einem 500mm Objektiv entsprechend schon 1/500 Sekunde. Verfügt dein Objektiv über einen Bildstabilisator, kann sich die Verschlusszeit entsprechend der Leistung des Bildstabilisators verlängern.

Lies auch unbedingt noch einmal den Artikel über den Zusammenhang zwischen ISO, Blende und Verschlusszeit, falls du diese noch nicht verinnerlicht hast. Denn um eine möglichst kurze Verschlusszeit zu erlangen, musst du die Blende möglichst weit öffnen oder den ISO-Wert nach oben verschieben. Eine zu hohe ISO kann allerdings das Bildrauschen zu stark werden lassen – was auch zu unscharfen Fotos führt.

Tipp 8: Schärfebereich kennen und Blende anpassen

Aber auch eine offene Blende birgt Gefahren. Denn manchmal sind unscharfe Fotos gar nicht wirklich unscharf, sondern haben einfach nur einen sehr kleinen Bereich der Schärfentiefe. Das kommt häufig vor, wenn mit sehr großer Blendenöffnung fotografiert wird.

Nimmst du beispielsweise in der Makrofotografie einen Käfer mit Blende f/2.8 und dem Abbildungsmaßstab 1:1 auf, so wird nur ein relativ kleiner Bereich des Käfers scharf sein. Möchtest du den Käfer von vorne bis hinten scharf abbilden, musst du abblenden (also die Blende schließen). Dadurch wird aber die Verschlusszeit auch wieder länger oder du musst die ISO hochdrehen. Ein Teufelskreislauf 😉

Generell gilt: Die Blende muss für eine optimale Schärfe zum Motiv passen. Je mehr Bereiche scharf abgebildet sein sollen, umso geschlossener muss die Blende sein. In der Landschaftsfotografie z.B. möchte man einen möglichst großen Bereich scharf haben. In der Makrofotografie hingegen darf der Hintergrund schon mal schön unscharf sein.

Tipp 9: Starkes Abblenden vermeiden

Wie so oft: Zu viel des Guten ist nicht mehr gut. In Bezug auf die Blende bedeutet dies, dass für eine optimale Schärfe nicht zu stark abgeblendet werden darf. Das hat nämlich den unschönen Effekt der Beugungsunschärfe zur Folge.

Beugungsunschärfe ist physikalisch gesehen das Ergebnis fehlgeleiteter Lichtstrahlen. Die treffen bei stark geschlossener Blende nicht mehr punktförmig auf den Kamerasensor, sondern „streuen“ auf mehrere Bereiche des Sensors. Das Bild wird dadurch unscharf.

Wie stark der Effekt der Beugungsunschärfe ist, hängt auch ein wenig von der Qualität des Objektivs und der Sensorgröße ab. Als Faustregel kannst du dir merken, Blende f/11 beim Abblenden möglichst nicht zu überschreiten.

Tipp 10: Festbrennweiten und hochwertige Objektive nutzen

Zwar sind fotografisches Können und Erfahrung eine Grundvoraussetzung für gute und scharfe Fotos. Aber auch die Qualität der Ausrüstung trägt ihren Teil dazu bei. Ein nicht von der Hand zu weisender Fakt ist: Gute Objektive im hochpreisigen Sektor erzielen meist bessere Ergebnisse. Das hängt mit der Präzision bei der Fertigung zusammen, sowie den verwendeten Materialien.
Fakt ist auch: Die beste Wahl für scharfe Fotos sind Festbrennweiten. Hier sind weniger Linsen verbaut als in Zoom Objektiven, die die Bildschärfe beeinträchtigen können. Nutze daher wann immer es geht Festbrennweiten, oder zumindest Zoom Objektive, die keinen extrem großen Spielraum bei der Brennweite haben. Sogenannte Superzoom-Objektive (oder Kameras) gilt es zu meiden, wenn du maximale Schärfe möchtest.

Tipp 11: Hitzefilmmern und weitere atmosphärische Störungen

Luftspiegelung am Horizont

Ein weiteres Phänomen, das bei extremer Brennweite auftreten kann: Bildunschärfe durch Luftunruhe. Eine Mischung aus atmosphärischem Dunst und starker Wärme sorgen für Hitzeflimmern. Auf Fotos erkennst du dies an wellenförmigen Formationen, die unscharf und verschwommen wirken. Eingrenzen oder vermeiden lässt sich dieser Effekt, indem du näher an dein Motiv herangehst und so möglichst wenig Luft zwischen dich und dem Motiv ringst. Oder du musst abwarten, dass der Boden sich abkühlt. In der Astronomie spricht man auch vom Seeing.

Bonus Tipp: Warum deine Fotos nicht scharf sein müssen

Klar, ein Foto sollte nicht übermäßig unscharf oder verwackelt sein (es sei denn, es ist Teil der Bildgestaltung). Aber man kann es auch übertreiben. Das sogenannte „Pixelpeeping“ beschäftigt manche Fotografen mehr, als es sie sollte. So wird das letzte Pixel des 45-Megapixel-Fotos am 27 Zoll Bildschirm bei 200 % Bildansicht auf Schärfe überprüft.

Die wichtige Frage ist allerdings der Zweck. Die wenigsten werden ihre Fotos am Ende auf einer Leinwand mit 120 cm drucken. Und für eine Darstellung des Fotos im Internet mit 2.800 Pixel Breite braucht ein scharfes Foto gerade mal 5 Megapixel.

Übertreibe es also nicht, wenn es um das letzte Quäntchen an Schärfe in deinen Fotos geht. Konzentriere dich lieber auf eine saubere und bewusste Bildgestaltung. Das ist viel mehr Wert, als eine absolute technische Bildschärfe.

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