Seergenpfeifer

Vögel fotografieren – So gelingen Dir Vogelaufnahmen

Vögel zu fotografieren ist für viele Fotografen ein tolles Erlebnis – allerdings auch eine Herausforderung. Neben speziellen Anforderungen an Ausrüstung und Kameraeinstellungen in der Vogelfotografie kommt noch das schwer zu kontrollierende Element Natur dazu. Wie das Vögel fotografieren trotzdem ein voller Erfolg wird, erfährst du in diesem Artikel.

Ausrüstung zum fotografieren von Vögeln

Objektiv

Das Objektiv ist wohl der wichtigste Bestandteil deiner Ausrüstung, wenn du Vögel fotografieren möchtest. Dieses sollte daher bei deinen Überlegungen zur richtigen Ausrüstungen an erster Stelle stehen – nachgelagert kommt dann die passende Kamera.

Denn auch wenn Smartphones heute teilweise schon hervorragende Bildqualität liefern können, haben Sie vor allem einen großen Nachteil: Fehlende optische Vergrößerung.

In der Vogelfotografie sind die Objekte deiner Begierde nur selten so nah dran, dass du diese sinnvoll mit der weitwinkligen Kamera des Smartphones einfangen kannst.

Lediglich wenn Vögel wenig Scheu zeigen, z.B. weil sie durch Fütterung an Menschen gewöhnt wurden, kannst du mit etwas Geduld Fotos von Vögel machen.

So wie diese Alpendohle, die ich auf dem Brandnerschrofen fotografiert habe. Sie war wohl voller Hoffnung, dass für sie etwas zu Essen abfällt – Freunde wurde wir nicht mehr.

Alpendohle – Mit einem Smartphone aufgenommen

Da dies allerdings nur für die allerwenigsten Foto-Situationen zutrifft, benötigst du ein Objektiv mit viel Brennweite (je größer die Brennweite, desto stärker die Vergrößerung). Unter 300 mm würde ich dir fast nicht empfehlen zu starten.

Als günstigen Einstieg gibt es hier das Preis-Leistungsmonster von Tamron: Das AF SP 70-300 mm. Dieses ist für die drei großen Kamerasysteme Nikon, Canon und Tamron verfügbar.

Aber auch für andere Systeme findest du in diesem Brennweitenbereich sicherlich passende Angebote.

Wer es etwas mehr Brennweite möchte, der kann sich bspw. das 100-400 mm Objektiv von Tamron oder Sigma anschauen.

Eine kleine Revolution für die Naturfotografie waren sicherlich die 150-600 mm Objektive von Tamron und Sigma. Du bekommst hier plötzlich richtig viel Brennweite (600 mm!) zu einem fairen Preis bei überraschend guten Abbildungsleistungen.

Mit der Einführung dieser Objektive wurde einem sehr breiten Publikum die Naturfotografie ermöglicht. Du musst dir plötzlich keine Fotoausrüstung im Wert eines Kleinwagens mehr kaufen, um mit großen Brennweiten auf Fotopirsch zu gehen.

Die Kamera

Wer sich mit der Naturfotografie beschäftigt, dem würde ich prinzipiell eine Kamera mit Wechselobjektiv empfehlen.

Natürlich gibt es auch Systemkameras, die einen unglaublich großen Brennweitenbereich abdecken, wie die Sony DSC-H400V und ihrem 50-fach optischen Zoom.

Aber solche All-In-One Lösungen gehen auch immer zu Lasten der Bildqualität – was mittelfristig auch immer auf Kosten der Freude geht. Nach einer gewissen Zeit kann sich Frust einstellen, weil die gemachten Vogelbilder nicht die Qualität haben, die du eigentlich haben möchtest.

Die aktuellen DSLR-Kameras oder spiegellose Systeme bieten schon sehr gute Einsteigermodelle und lassen sich prima mit einem der oben genannten Objektive kombinieren.

Ob DSLR oder spiegellos habe ich in diesem Artikel ausführlich erläutert.

Die richtige Kameraeinstellung

Die Kameraeinstellungen solltest du nach Möglichkeit schon zu Beginn deiner Fotopirsch festlegen. Denn sobald du einmal im Feld bist, kann sich jederzeit eine Fotogelegenheit ergeben und ein Vogel taucht plötzlich aus dem Nichts vor dir auf.

Wenn du jetzt noch anfangen musst deine Kamera richtig einzustellen, ist der Vogel schon längst weitergeflogen ehe du überhaupt soweit bist auf den Auslöser zu drücken.

Wichtig ist es, dass du den Zusammenhang zwischen Belichtung, Blende und ISO verstanden hast. Falls das nicht so ist, lies das im verlinkten Artikel gerne noch einmal nach.

Belichtung

Aus zwei Gründen solltest du meist mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten:

  1. Du verwendest eine lange Brennweite (ab 300 mm)
  2. Vögel sind oftmals sehr flink. Um Unschärfe durch deren Bewegung zu vermeiden, versuchen wir die Belichtungszeit möglichst kurz zu halten.

Die Belichtungszeit richtet sich im ersten Schritt nach einer alten Fotografen-Regel: Die Belichtungszeit sollte der Kehrwert der Brennweite sein. So ist es möglich, die Kamera noch verwacklungsfrei zu halten.

Denn durch deine natürlichen Bewegungen (Puls, Atem, Zittern usw) wirst du es nie schaffen, eine Kamera völlig verwacklungsfrei zu halten. Die Effekte werden sogar noch stärker, je schwerer die Ausrüstung ist (Festbrennweiten wie das AF-S NIKKOR 600 mm können entspannt mal 6 kg wiegen – ohne Kamera).

Setzt du also ein Objektiv mit 300 mm ein, wäre die ideale Belichtungszeit mind. 1/300s oder kürzer. Bei 600 mm 1/600s usw.

Dank moderner Bildstabilisatoren kannst du diese Zeiten aber mittlerweile auch verlängern. So ist es (je nach Objektiv/Bildstabilisato) durchaus möglich ein 300 mm Objektiv auch noch mit bei 1/120s frei zu halten.

Diese Regel gilt jetzt aber lediglich für 35-mm-Vollformatbildsensoren (Wie die Nikon D850, Sony α7 III oder Canon EOS5D). Sobald du eine Kamera mit APSC-Sensor (oder kleiner) einsetzt (Sony α6000/α6300/α6500 usw oder Nikon D7500/D500/D5500 usw.) verschärft sich die Regel.

Durch die “Vergrößerung” (bzw. durch den Crop) wird der Effekt der Verwackelung vereinfach gesagt verstärkt. Daher solltest du den Cropfaktor in die Formel mit einbeziehen.

Bei einem APS-C-Sensor kannst du mit dem Faktor 1,5 rechnen: 1,5 x Brennweite / 1 = Belichtungszeit

Bei 300 mm und APS-C Sensor ergibt dies also eine Belichtungszeit von 1/450s.

Blende

Nachdem wir die Belichtung bestimmt haben, folgen darauf aufbauend die Blende sowie die ISO-Zahl.

Bei der Blende versuche ich immer mit der größtmöglichen Öffnung zu arbeiten (Offenblende), um möglichst viel Licht auf den Sensor zu lassen (= kürzere Belichtungszeit bzw. niedrige ISO-Zahl möglich) und ein schönes Bokeh zu bekommen.

Leider haben nicht alle Objektive bei Offenblende schon ihre beste Abbildungsleistung. Du musst sie oftmals ein- bis zweimal abblenden, um die maximale Schärfe zu erreichen.

Das kann gerade bei Teleobjektiven schon richtig weh tun: Wer kein teures 500 mm oder 600 mm f/4 sein Eigen nennt (mit denen kannst du übrigens auch schon entspannt bei Offenblende fotografieren), der hat vermutlich ein Objektiv mit einer Offenblende von f/5.6 oder f/6.3.

Da kann aus ein- oder zweimal abblenden gleich eine Blende von f/7.1 oder f/8 werden. Nicht gerade das, was landläufig als Lichtmonster bezeichnet wird 😉

ISO

Wir haben die Belichtungszeit (1 geteilt durch Brennweite) und die Blende (Offenlende, ggf. ein- bis zweimal abblenden). Daraus ergibt sich jetzt natürlich automatisch der ISO-Wert.

Und diesen lasse ich bei meiner Kamera tatsächlich der ISO-Automatik – wobei ich den Wert nach oben deckle und der Kamera einen maximalen Wert vorgebe. Ansonsten arbeite ich im manuellen Modus der Kamera, das heißt Belichtung und Blende stelle ich immer händisch ein und überlasse diese Werte nicht der Kameraautomatik.

Da wir mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten und im dümmsten Fall mit einer Blende von f/7.1 unterwegs sind, kann die ISO-Zahl nun – je nach Lichtverhältnissen – ganz schön hoch ausfallen.

Dank moderner, lichtempfindlicher Sensoren ist das heute aber kein Problem mehr. Bei manchen kannst du zur Not noch gut mit ISO 6.400 oder gar ISO 12.800 fotografieren.

Das ist aber immer in Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit deiner Kamera. Mit meiner Nikon D7100 gehe ich kaum über ISO 1.200 oder ISO 1.800 hinaus. Denn darüber nimmt das Rauschen so stark zu, dass die Bilder kaum noch verwendbar sind.

Wie es sich bei deiner Kamera verhält, musst du für dich selbst herausfinden. Mache Testaufnahmen mit unterschiedlichen ISO-Werten, lade sie auf den PC und entscheide dann auf einem großen Monitor (100%-Ansicht) und ggf. bei der Bildbearbeitung für dich, welcher Wert noch akzeptabel ist.

Wichtig ist aber tatsächlich eher in die Grenzbereich oder darüber hinaus zu gehen, anstatt ein Foto unterzubelichten. Traue dich lieber mit einer hohen ISO-Zahl zu fotografieren als hinterher ein zu dunkles Vogelbild zu haben. Das lässt sich oftmals nicht mal mehr als RAW retten.

Weitere Ausrüstung

Mit Kamera und Teleobjektiv ausgerüstet hast du definitiv schon die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände in der Vogelfotografie.

Ein paar weiter Gegenstände können dir das Fotoshooting zwar erleichtern, wären aber nicht unbedingt notwendig.

Fernglas

Wenn ich mit einem vergleichsweisen kurzen Teleobjektiv unterwegs bin (300 mm), nehme ich oftmals noch mein Fernglas mit. Damit erreiche ich eine stärkere Vergrößerung und kann gute Foto-Gelegenheiten und Vogelarten schneller erkennen.

Bin ich mit der langen Brennweite unterwegs (600 mm), verzichte ich auf das zusätzliche Gewicht des Fernglases und setze die Kamera als Fernglas-Ersatz ein. Ist sicherlich kein gleichwertiger Ersatz zu einem Fernglas, aber ich komme damit sehr gut zurecht.

Stativ

Allerdings nehme ich jetzt einen anderen Gegenstand mit: Das Stativ. Denn durch die schwere Ausrüstung benötige ich die zusätzliche Stabilisation, um möglichst scharfe Fotos aufzunehmen.

Je nach Situation verwende ich ein Dreibein (z.B. im Ansitz) oder ein Einbein (z.B. bei der Fotopirsch).
Ansonsten sorge ich natürlich immer für genügend Ersatzakkus, um entspannt über den Tag zu kommen.

Die richtige Kleidung und Tarnung

Bei der Kleidung achte ich darauf, möglichst gedeckte, natürliche Farben zu tragen. Mut zur Hässlichkeit! 😉

Knallige Farben mit blau, orange, gelb, grün usw. vermeide ich. Diese mögen im Outdoor-Segment eine Daseinsberechtigung haben (Sichtbarkeit/Sicherheit), sind für die Vogelfotografie allerdings eher hinderlich.

Manchmal kümmere ich mich noch um eine Tarnung. Diese kann hilfreich sein, wenn du Aufnahmen von besonders scheuen und/oder flinken Vögeln wie etwa einem Eisvogel machen möchtest.

Bestimmungshilfen

Manchem Anfänger können auch noch Bestimmungshilfen im Feld nützlich sein. Hier gibt es digitale Bestimmungshilfe wie Die Vogel App.

Die App von spotwild mit zugehöriger Webseite bietet die Möglichkeit, die eigenen Bilder hochzuladen und bei Bedarf die Community um Bestimmungshilfe zu bitten (gilt sowohl für Vögel als auch für Pflanzen und alle übrigen Tierarten). Aber auch wer einfach nur mal seine Beobachtungen und Fotos teilen möchte, ist dort gut aufgehoen.

Wer lieber auf Print setzt ist mit dem Kosmos Vogelführer oder Was fliegt denn da? gut beraten.

Der perfekte Ort, um Vögel zu fotografieren

Kamera am Start? Objektiv angesetzt? Dann auf ins Auto und 45 Minuten ins nächste Naturschutzgebiet fahren, um dort Seeadler, Kampfläufer und Uhu zu fotografieren!

Äääh nein. Langsam. Wenn du wirklich darauf aus bist Vögel zu fotografieren, solltest du es eher vermeiden deine ersten Fotosafaris in sensible Schutzgebiete zu unternehmen. Als Schutz vor den Vögeln? Nein, als Schutz vor dir selbst.

Denn in Naturschutzgebieten hast du – zu recht – immer vorgeschriebene Wege, auf denen du dich bewegen musst. So kommst oftmals gar nicht nah genug an die Vögel ran und hast es außerdem vermehrt mit sehr scheuen Zeitgenossen zu tun.

Besser ist es da immer die Lokalitäten direkt vor deiner Haustür zu nutzen. Von der Futterstelle in deinem Garten über den nächstgelegenen Wald bis zum nächsten Gewässer in deiner Umgebung.

Optimal ist z.B. ein beliebter See oder ein kleiner Park in deiner Nähe. Denn durch das hohe Besucheraufkommen an solchen Orten sind die gefiederten Gäste dort bereits an die Anwesenheit von Menschen in Ihrer Nähe gewohnt.

Diesen Umstand kannst du dir super zum Vorteil machen, da du dich so den Tieren prima annähern kannst. Denn selbst wenn du jetzt über ein tolles Objektiv mit 300 mm oder gar 600 mm Brennweite verfügst, musst du immer noch verdammt nah ran, um die kleinen Gefiederten Freunde auf den Sensor zu bannen.

Durch kürzere Anreisen zu den Fotospots direkt zu deiner Haustüre hast du außerdem die Möglichkeit die Schlagzahl deiner Fotosessions zu erhöhen. Anstatt eine Stunde mit An- und Rückfahrt zu verbringen, kann es sich durch die kurzen Wege durchaus lohnen auch mal morgens vor der Arbeit/Schule/Uni sich für eine halbe Stunde die Kamera zu schnappen und auf die Pirsch zu gehen.

Auch der tägliche Weg zur Arbeit/Schule/Uni bietet sich an: Wo befinden sich auf diesem Weg möglicherweise geeignete Orte, um ohne großen Umweg für 20 Minuten mit der Kamera Vögel zu fotografieren? Ein kleines Waldstück? Ein Park? Oder gar ein See?

Nutze solche Gelegenheiten, um regelmäßig und bei unterschiedlichen Bedingungen (Wetter, Licht, Jahreszeiten…) unterwegs zu sein. Deine Foto-Erfolge werden sich so mittelfristig garantiert einstellen.

Beherrsche die Technik

Die neue Kamera bei Amazon bestellen, aus der Packung nehmen, Akku aufladen und raus! Ich gebe zu: So mache ich es auch immer. Ich kann neuem Technikspielzeug einfach nie widerstehen.

Allerdings schnappe ich mir anschließend doch immer die Bedienungsanleitung und lese diese von Anfang bis Ende durch. Der Funfaktor ist da zwar (für mich zumindest) meist eher beschränkt, aber es hilft mir ungemein die Kamera mit all ihren Knöpfchen und Einstellungen bis ins letzte Eck zu verstehen.

Selbst wenn ich ein “Upgrade” innerhalb eines Kameraherstellers mache und sich die Bedienung nicht grundlegend geändert hat: Ich nehme mir die Anleitung trotzdem vor. Ich kann dann zwar manche Abschnitte schneller lesen weil mir vieles schon bekannt ist, trotzdem ist es mir wichtig mich detailliert mit der neuen Kamera auseinanderzusetzen.

Und warum? Weil ich meine Ausrüstung aus dem effeff beherrschen muss. Denn draußen in der Natur entscheiden oftmals wenige Sekunden: Vogel fliegt ein, setzt sich auf einen Ast und ist Momente später wieder entflogen.

Wenn ich nun noch überlegen muss wie ich meine Kamera richtig einzustellen habe ist die Situation meist eh vorbei.

Zusätzlich zur Beherrschung deiner Kamera solltest du mit den grundlegenden Prinzipien der Fotografie vertraut sein. Dazu gehört vor allem das Zusammenspiel von Iso, Blende und Belichtungszeit.

Mach deine Kamera zum treuen Begleiter
Nimm deine Kamera auch regelmäßig mit. Selbst wenn du “nur” einen kleinen Spaziergang mit der Familie machst und Schnappschüsse aufnimmst.

Durch die regelmäßige Verwendung und ständige Wiederholung verinnerlichst du die Bedienung deiner Kamera oder anderer Prinzipien wie dem Zusammenhang von Belichtung, Blende und ISO.

Auch wenn du wahrscheinlich bei den meisten Spaziergängen keine wertvollen Aufnahmen mit nach Hause bringen wirst – spätestens wenn du mal ohne Kamera aufbrichst, zieht über deine Köpfe ein Trupp mit Kranichen 😉

Das Mindset entscheidet – Erwartungshaltung und Geduld.

So nun haben wir doch alles: Location steht, Ausrüstung liegt bereit und sogar die Sonne scheint – kann nichts mehr schief gehen? Oh doch.

Wir fotografieren in der Natur und nicht im Fotostudio. Dort könnten wir unter kontrollierten Bedingungen arbeiten, dem Fotomodel Anweisungen nach unseren Vorstellungen geben, das Licht richtig setzen und loslegen.

In der Natur können wir viele Parameter kaum kontrollieren. Wie ist das Licht? Wo setzt sich der Vogel hin? Wie gestaltet sich der Hintergrund? Sehe ich heute überhaupt einen Vogel?

Je nach Jahreszeit, Wetter, Uhrzeit, Location, Verhalten der Vögel und vielen anderen Gegebenheiten ändern sich die Parameter ständig. Um die äußeren, von uns nicht beeinflussbaren Umstände einigermaßen in den Griff zu bekommen hilft nur eines: Rausgehen, rausgehen und vor allem rausgehen.

Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto besser wirst du im Einschätzen der äußeren Umstände. Passt das Licht? Wie wird sich der Vogel verhalten? Wo werde ich was in welcher Form mit Glück fotografieren können?

Sei dabei von negativen Erfahrungen nicht frustriert. Es wird Tage geben, an denen du ohne auch nur einmal den Auslöser gedrückt zu haben, wieder nach Hause kehrst.
Es wird Situationen geben, in denen die äußeren Umstände passen: Der Vogel sitzt perfekt in Position, du bist nah genug dran, das Licht und der Bildhintergrund sind überragend und du lässt den Auslöser glühen. Wenige Sekunden später ist alles vorbei, der Vogel seines Weges gegangen und du checkst die Bilder auf dem Kameradisplay. Alle hoffnungslos unterbelichtet! Eine blöde Kameraeinstellung hat alles zunichte gemacht…

Sei davon aber nicht frustriert. Sei dankbar für solche Fehler, denn daraus lernst du tatsächlich. Was habe ich mich schon über misslungene Fotos geärgert, weil ich z.B. vergessen habe die Belichtungskorrektur wieder auf 0 zu stellen 😉

Gehe am besten nicht mit der Erwartungshaltung raus, heute die perfekte Aufnahme von einem Eisvogel zu machen – solche Vogelbilder lassen sich nur mit Aufwand einigermaßen planen.

Sondern erfreue dich einfach nur an dem Erlebnis, wenn du mit der Kamera durch die Natur pirschst. Je öfter du raus gehst, desto mehr “Fotoglück” wird sich automatisch einstellen und du wirst durch deinen Erfahrungsschatz ständig besser und besser.

Das Verhalten der Vögel studieren

Was dir definitiv auch zu besseren Fotos verhelfen wird: Möglichst viel Wissen über Vögel. Manches kannst du dir anlesen, anderes wirst du nur lernen, wenn du raus gehst und aufmerksam beobachtest.

Wenn du z.B. ein Entenpaar beobachtest, und beide die Hälse sichtbar strecken, oder wenn plötzlich ganz viele Graugänse auf dem Feld oder Wasser im kollektiv anfangen Lautäußerungen von sich zu geben dann kannst du dich bereit machen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vögel gleich starten und es zu Flug-Action kommt, steigt. Dadurch können auch deine Fotos spannender werden.

Es kann auch helfen, wenn du den Ruf oder Gesang von Vögeln interpretieren kannst. Bist du etwa mit dem Ruf des Eisvogels vertraut, so steigt die Wahrscheinlichkeit auf ein Erfolgserlebnis. Denn da die Vögel oftmals rasend schnell über die Wasseroberfläche fliegen, ist die Fotogelegenheit meist vorbei, ehe du sie erkannt hast.

Das Eisvögel aber sich oftmals mit ihrem Ruf selbst ankündigen, bevor du sie überhaupt sehen kannst, kannst du so die nötigen Sekunden gewinnen, um dich auf das „Eintreffen“ des Eisvogels vorzubereiten.

Eisvogel

Eisvogel

Versuche dir also möglichst viel Wissen anzueignen. Nutze dazu z.B. Bücher oder Zeitschriften und verbringe vor allem viel Zeit draußen und beobachte das Verhalten der Vögel.

Im Zweifelsfall lieber kein Foto machen

Du musst dir dessen unbedingt bewusst sein, dass du als Fotograf in der Natur ein weiterer potentieller Störfaktor bist.

Und das musst du als Naturfotograf in jedem Fall vermeiden: Tiere stören.

Das sollte deine tiefste Überzeugung sein, ist aber tatsächlich sogar gesetzlich festgeschrieben: §44 (1) 2 des Bundesnaturschutzgesetzes 

Es ist verboten, […] europäische Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; […]

Die Fortpflanzungszeit geht übrigens schon Februar/März los und kann bis in den Oktober gehen – ich hatte mal am früh im Jahr am 12. März die ersten Jungtiere bei den Nilgänsen gesehen. Meine späteste Beobachtung von Jungtieren war der 09. Oktober (ebenfalls bei Nilgänsen).

Und anschließend beginnt für die Vögel die harte Winterzeit: Die Nahrung wird knapp, jede unnötige Störung kostet zusätzliche Energie – was im schlimmsten Fall zum (Hunger-)Tod führen kann.

Wenn du also unterwegs bist zum Vögel fotografieren solltest du immer den nötigen Respekt haben und dich keinesfalls zu sehr annähern. Wenn ein Vogel auffliegt, weil du zu nah rangegangen bist, hast du als Fotograf den Vogel gestört und einen Fehler begangen.

Selbstverständlich sollte es auch sein in Naturschutzgebieten keinesfalls die Wege zu verlassen und auch anderen Tier- und Pflanzenarten in keinster weise zu schädigen.

Für dich mag das alles klar sein, aber ich habe tatsächlich schon andere Naturfotografen gesehen, die deutlich gegen Gesetze verstoßen haben, nur um “ihr” Foto zu machen.

Hier sind tatsächlich nicht nur immer Hundebesitzer, Mountainbiker, Squad-Fahrer oder sonstige Freizeitgruppen die “schwarzen Schafe”.

Fange bei dir selbst an und mache andere freundlich auf ihr Fehlverhalten aufmerksam, wenn du dies in der Natur beobachtest. Manchmal triffst du hier auf Verständnis und es können sich spannende Gespräche entwickeln (Ok, ich gebe es zu: Manchmal, nicht immer ;-))

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